Süd- und Mittelnorwegen hat mir beigebracht wie das Weitwandern funktioniert. Jetzt, in Nordnorwegen, wird es Zeit das Gelernte zu beweisen! Die Etappen werden länger, da es von einem zum nächsten Versorgungspunkt deutlich weiter ist. So wird diese 11. Etappe von Sulitjelma bis nach Riksgränsen zur längsten zusammenhängenden Etappe meiner ganzen Reise. Mit Proviant für 14 Tage und ohne sinnvolle Möglichkeit zur Wiederaufstockung zwischendurch, mache ich mich auf den langen Weg durch den Padjelanta Nationalpark und darauf folgenden durch das einsame Narvikfjell.
Zunächst führt mich mein Weg noch, auf recht hochfrequentierten Wanderwegen, durch den schwedischen Padjelanta. Allerdings folgt dann, als Konsequenz meiner Entscheidung den großen Akkajaure-See zu Fuß zu umgehen, der Einstieg in den einsamen Nordkalottleden und damit auch ins Narvikfjell. Zum ersten Mal auf dieser Reise muss ich mich intensiv mit der Proviantrationierung auseinandersetzen und bekomme dadurch einen ganz anderen Blick auf das Essen. Je weniger man zur Verfügung hat, desto mehr lernt man es wertzuschätzen. Eine einschneidende, aber sehr wertvolle Erfahrung!
Zudem zieht der kurze aber intensive nordische Herbst über Berge und lässt das Narvikfjell in bezaubernden Rottönen leuchten! So beeindruckend, wie alles was ich in dieser Etappe sehen und erleben durfte, waren nur wenige andere Abschnitte der Reise.
Die Reisetagebücher jedes Tages:
Tag 90 / Sulitjelma – Sorjushytta
Vor dem Start der nächsten Etappe steht zunächst der größte Provianteinkauf der ganzen Reise an. Genug Verpflegung für 14 Tage zu kaufen und diese dann auch irgendwie im Rucksack unterzubringen stellt sich als wirkliche Herausforderung heraus! Also kauf ich gefühlt den halben Laden leer und spiel ne ganze Weile lang Tetris mit meinem Rucksack. Versucht ihr mal das Futter für 14 Tage sinnvoll in einen Essensack zu bekommen ohne danach wie n schlechter Packesel auszusehen… alles andere als einfach. Es klappt dann aber irgendwie und so geht direkt vom AirBnB aus auf den Weg ins Sulitjelmafjell!
Besonders dankbar bin ich für die 600hm die gleich zu Beginn anstehen. Mehrmals bin ich kurz davor, mich einfach wie eine Schildkröte auf den Rücken fallen zu lassen und auf jemanden zu warten der mich den Rest trägt… wäre aber vermutlich aussichtslos gewesen.
Die Landschaft verändert sich so krass mit jedem Höhenmeter und spätestens, als sich dann das hohe, steinige Fjell zeigt, sind wieder alle Strapazen vergessen… was für ein Anblick! Das Ganze wirkt auch nochmal viel dramatischer mit dem rauen Wetter, welches mich heute verfolgt. Es weht weiterhin der starke Südwestwind und der Regen ist auch nicht weit entfernt, wie es scheint. Türkisblaue Bergseen wechseln sich ab mit hohen Gipfeln, die hier mehr an die Alpen erinnern mit ihrer spitzen Form. Normalerweise bin ich nicht so der Steinweg Fan, aber der Pfad in Richtung schwedischer Grenze gefällt mir heute sehr gut.
Das Ziel für heute ist nicht weit entfernt. Wegen den vielen Höhenmetern und dem schwersten Rucksack aller Zeiten, habe ich den Endpunkt auf die 16km entfernte Sorjushytta gesetzt. Diese DNT Hütte wird dann auch die vorerst letzte in Norwegen sein. Fast direkt dahinter liegt die Grenze zu Schweden und den Padjelanta Nationalpark. Aber warum denn jetzt plötzlich wieder Schweden? Erstens soll dieser Nationalpark wirklich schön sein und Zweitens wäre die Alternative auf norwegischer Seite ein sehr schwer begehbarer Abschnitt ohne Wege, welchen ich auf Grund des gerade sehr wechselhaften Wetters nicht nehmen werde. Normalerweise scheue ich keine Abenteuer, aber es gibt auch Grenzen und die sind hier für mich erreicht.
Die 16km laufen sich trotz viel auf und ab super, da es hinter jedem Berg etwas neues, atemraubendes zu sehen gibt. Die Sorjushytta taucht dann am Ende am Ufer eines Gletschersees auf. Perfekte Lage. Am Anfang noch alleine bekomme ich dann aber später noch Besuch von Andrew, welcher sich diese schöne Hytta auch nicht entgehen lässt und es wird wieder einmal ein toller Abend!
Tag 91 / Abwettern auf der Sorjushytta
Der üble Südwestwind schlägt heute mit voller Wucht zu! Schon morgens peitschen so starke Böen an die Hytta, wie ich sie noch nie erlebt habe! Bei dem Wetter weitergehen?! Keine Chance, zumindest für mich nicht! Zur nächsten Hytta wären es zwar nur 12km, aber dazwischen liegt noch ein Fluss, welcher gefurtet werden muss. Nicht bei so einem Wetter! Wenn man sich die Wettervorhersage mit gefühlt -7 Grad anschaut, schon zweimal nicht. Zudem denke ich mir folgendes: Wenn sich heute jemand wirklich da raus traut und dann komplett durchnässt und eiskalt an der Hytta ankommt… dann wäre doch ein brennender Ofen und eine warme Stube ein Geschenk, oder nicht?
Und tatsächlich… nach und nach füllt sich die Hytta mit armen Seelen, die sich wirklich raus getraut haben! Zuerst gibt’s finnischen Besuch, dann noch zwei Mal deutsch und zum Finale schaut noch eine Schweizerin patschnass in die Hütte rein. Die Bude wird voll und zum absoluten Trockenraum angeheizt. Luftfeuchte drinnen… wohl 110% zwischendrin. Man merkt hier schon, dass der Weg mehr begangen wird. Der Padjelanta ist wohl wirklich ein sehr beliebtes Wanderziel.
Mit dem kunterbunten Haufen entsteht ein toller Abend mit tiefgründigen Gesprächen und ich freue mich über meine Entscheidung hier meinen Ruhetag eingelegt zu haben. Morgen soll die Welt draußen auch wieder deutlich freundlicher aussehen, hoffentlich stimmts!
PS: Falls irgendjemand von der Verrückten Seelen dieses Tages diesen Blog hier findet und sich wieder erkennt… gebt gerne Bescheid.
Tag 92 / Sorjushytta – Padjelanta (Einstieg)
Über die letzte Nacht hinweg klingt der Sturm glücklicherweise etwas ab und morgens zum Frühstück lässt der Blick nach draußen tatsächlich auf einen halbwegs passablen Tag hoffen.
Nach und nach schlendert unsere wilde Truppe aus den Schlafräumen. Beim Frühstück werden noch die Pläne für den weiteren Weg ausgetauscht. Manche sind am letzten Tag ihrer langen Wanderung angekommen, andere legen erst so richtig los. Ich will mir gar nicht so viel vom weiteren Weg verraten lassen, aber den ein oder anderen guten Tipp nimmt man doch gerne mit.
Wieder einmal heißt es dann auf Wiedersehen sagen und die eigenen Wege gehen. Egal wie oft das schon passiert ist und noch passieren wird, ich finde es immer schwer von so tollen Menschen Abschied zu nehmen. Gerade die Truppe von der Sorjushytta wird mir noch für lange Zeit im Gedächtnis bleiben. Wir waren so verschieden, aber vereint in dem geteilten Wunsch uns die schönsten Landschaften zu erwandern. Fragen, die im Alltag so wichtig erscheinen, wie das „Wo wohnst du?“, „Was arbeitest du?“ sind hier vollends unwichtig. Diese Klischeegespräche möchten hier einfach nicht bedient werden. Selbst Namen werden unwichtig. Ich hatte schon einige, lange Unterhaltungen, an deren Ende ich noch nicht einmal den Namen meines Gesprächspartners wusste. Das hat aber keinerlei Unterschied gemacht, da die Besonderheit der Erlebnisse und Geschichten nicht von Herkunft, Status und dem Namen abhängen. Ich liebe diese Art den Kennenlernens.
Direkt nach 5km steht die Furt auf dem Plan und über diese eine wird besonders viel geredet… Im Netz existieren viele Horrorgeschichten darüber und scheinbar soll sie wirklich nicht ohne sein. Allerdings stellt sich (zumindest für mich) heraus, dass das nur unnötige Panikmacherei ist. Natürlich hängt die Schwierigkeit einer Furt immer von den Bedingungen ab. Hohe Wasserstände können dafür sorgen, dass selbst harmlos erscheinende Bäche zu reißenden Flüssen werden. Heute stehe ich zwar ab und an bis zu den Knien im Wasser, aber gefährlich ist das Ganze nicht. Wenn man konzentriert bleibt und sich in Ruhe seinen Weg sucht. Und zudem tut den Füßen das Eisbad immer gut. Die fühlen sich danach wie neu an!
Nicht weit danach folgt dann die „Grenzerfahrung“. Hallo Sverige, jetzt bist du dran. Und tatsächlich, bei teils echt tollem Wetter zeigt sich eine wunderschöne Landschaft und insbesondere… wundervolle und leicht begehbare Wege! Am Anfang zwar noch etwas sumpfig, aber später dann so leicht begehbar wie schon lange nicht mehr. Mein Plan ist es bis Stáloluokta (ja die Namen werden spannend) zu gehen. Das wäre dann eine ordentlich Tagesetappe mit ca. 30km. Da soll es eine Sauna geben, zu welcher ich sicher nicht nein sagen würde! Allerdings bin ich nach 25km so von der Landschaft neben den Wegen angetan, dass ich mich für eine Nacht im Zelt entscheide und mir einen tollen Platz mit Aussicht suche. Sogar windgeschützt! Luxus! Jetzt noch eine Sauna daneben haben… naja, alles geht halt nicht.
Als der Nachthimmel dann noch aufklart, ist es Zeit nach oben zu schauen. Die Nordlichter tanzen ein weiteres Mal für mich. Zwar nach wie vor nur leicht sichtbar, aber die Polarlichtsaison kommt immer näher!
Tag 93 / Padjelanta (mittendrin)
Ich glaube ich brauche nicht noch mal beschreiben wie schön es hier ist und das Wetter und die Wege sind auch nur so semi-interessant um im Detail drüber berichten.
Das lässt mir Zeit auch mal darüber zu berichten, wie es mir geht. Nach so langer Zeit auf Wanderung.
Nach 3 Monaten Reise ist das hier mein Alltag geworden. Alltag, ein Wort das oft etwas Langweiliges und nicht sehr besonderes beschreibt… Mein Alltag ist nun aber voll von neuen Eindrücken und kleinen Abenteuern im Großen. Ebenso aber auch von wiederkehrenden Dingen wie, wer hätte es gedacht, wandern. Ich liebe es, nach wie vor, neue Orte zu entdecken und ich will auch bestimmt gerade nicht aufhören, aber manchmal ist es schwer morgens wieder in Gang zu kommen und weiterzuziehen.
Ich hätte gerne mehr Zeit.
Ja das klingt jetzt komisch, ich weiß. „Der Kerl ist doch fast ein halbes Jahr unterwegs, wie kann er da bloß über zu wenig Zeit jammern!“ Naja, ich verbringe viel Zeit in Skandinavien, ja, aber die Reise folgt auch einem Plan und der zeigt gen Nordkap, welches ich vor dem Schnee erreichen. Diese „Deadline“ sorgt dafür, dass ich meist nicht so lange an Orten verweilen kann, wie ich es gerne möchte. Manchmal fühlt es sich so an als wenn ich von 100 tollen Büchern nur den Klapptext lesen kann… Von allem Etwas, aber nichts richtig?! Jede Gegend (ja auch das sumpfige Trøndelag) hätte es verdient wochenlang erkundet zu werden. In so vielen Hütten würde ich so gerne viele Tage verbringen und mit vielen Menschen würde ich gerne noch deutlich mehr Gespräche führen.
Ich sehe diese Reise mittlerweile als ein Blick durch die Schlüssellöcher vieler Türen. Türen hinter denen ganze Welten stecken. Einige dieser Türen kann ich auch öffnen und mich mehr dahinter umschauen, an anderen gehe ich nur kurz vorbei. Manchmal denke ich „Ist das große Ziel es wirklich wert nicht mehr Zeit für die kleinen Momente zu haben?“ Aber in meinem Kopf wartet da oben, nach wie vor, die große schnöde Stahlkugel auf mich und diese werde ich erreichen!
Ich bin auch dankbar! So sehr dankbar, dass mein Körper es mir gestattet so lange zu gehen. Egal welchen Alters, das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Privileg! Ich verlange viel von ihm ab. Ich gehe über Schmerzen, Müdigkeit und Anstrengung und doch geht es am nächsten Tag immer noch weiter. Möge er mich noch ein gutes Stück weitertragen, es fehlt noch „ein bisschen“.
Danach gönn ich dir Ruhe, versprochen!
Tag 94 / Padjelanta (Ausstieg)
Auch auf der schwedischen Seite meiner Reise gibt es einige Hütten, in denen ich übernachten und über die ich meine Tagesetappen legen könnte. Allerdings muss ich sagen, dass die mir nicht wirklich gefallen… Dadurch, dass hier im Padjelanta ein reger Tourismus herrscht, sind die Hütten meist gut besucht und jeder Hütte hat einen Stugvård, einen Hüttenwart. Das sind mir, gerade jetzt, dann doch zu viele Menschen auf einem Haufen. Ich halte mich auf der schwedischen Seite also lieber an mein Zelt oder an die kleinen Nothütten, welche auch oft auf dem Weg liegen. Die Etappe wird damit also ziemlich einsam. Allerdings will ich das auch so. Ich bin gerade gerne alleine und fühl mich damit auch sehr wohl. Es gibt mir die Zeit und den Raum, um meinen eigenen Gedanken nachzugehen und auch um meine soziale Batterie wieder aufzuladen. Der Moment, an dem ich mich wieder nach anderen Menschen sehne wird schon noch kommen. Das macht auch den Charakter dieser Reise aus. Ich kann mich stets frei entscheiden, wieviel soziale Interaktion ich gerade haben möchte und muss mich zu nichts gezwungen fühlen. Als introvertierte Person ist das Gold wert!
Ich befinde mich gerade in Schwedisch-Lappland und damit liegen nun auch immer wieder kleine Siedlungen der Sami neben dem Weg. Es ist absolut faszinierend, wie dieses Volk Teil in ziemlicher Abgeschiedenheit lebt und nach wie vor hauptdächlich der Rentierzucht nachgeht. Der enge Kontakt zu den Tieren ist weiterhin spürbar und über die paar Kontakte, die ich bisher zu den Sami hatte merke ich auch wie stolz dieses Volk ist. Zu Beginn jeder Unterhaltung sind sie meist etwas misstrauisch. Das liegt aber nur daran, dass sie erst mal wissen wollen wer ich bin und was ich hier zu suchen habe… Verständlich, würd ich sagen. Es sind aber ganz liebe Menschen und trotz der vielen Kontroversen über deren besondere Rechte in Skandinavien (da kann sich jeder selbst drüber schlau machen) verlasse ich jedes Gespräch mit etwas mehr Einsicht. Auch ein sehr schöner und lehrreicher Aspekt meiner Reise!
Mein Weg geht heute auch am Berg Áhkká vorbei, dem heiligen Berg der Sami. Der Name (in dem Fall die Variante „Akka“), könnte dem ein oder anderen auch aus einer Kinderbuchgeschichte bekannt vorkommen… Darin kommt eine alte und ehrwürdige Gans vor, die diesen Namen trägt… Nils Holgerson.
Und ja, der Riese Áhkká hat eine besondere Aura. Wenn man das Glück hat, einen Blick auf seine gesamte Größe werfen zu können.
Tag 95 / Padjelanta - Akkajaure
Es gilt eine Entscheidung zu fällen!
In Vájsáluokta könnte ich mit dem Boot nach Ritsem übersetzen, danach einen Teil des Kungsleden (ebenfalls sehr bekannter Wanderweg) gehen und mir damit 3-4 Tage Laufen ersparen. Aber es wäre gegen meine Regel… „aus eigener Kraft“….
Der Weg um den See Akkajaure herum, ist durchaus nicht einfach und dauert deutlich länger, aber ich bleibe meiner Regel treu! Genug Essen habe ich im Rucksack, aber trotzdem ist damit weiterhin eisernes rationieren angesagt. Mindestens noch für die nächsten 7 Tage. Ist nicht einfach, besonders nicht was die Schokolade angeht. Gott bewahre, falls mir die ausgeht!
An der Stelle, an der die meisten Touris aufs Boot gehen, laufe ich gerade am See weiter und bekomme sofort gezeigt, dass der Weg jetzt nicht mehr zur Kategorie „leicht zu laufen“ gehört! Die ersten paar Kilometer geht es durchs Unterholz und über uralte Planken, die durch den Regen der letzten Tage abartig rutschig geworden sind! Mehrmals rutschen mir die Füße weg und ich hätte nur zugern jemanden dabei, der das filmen könnte. Muss jedes Mal Filmreif sein á la Bananenschale.
Der lange Weg, den ich noch vor mir habe, arbeitet in meinem Kopf. Ich gehe mehrfach in Gedanken durch, ob ich wirklich genug Essen habe und auch sonst an alles gedacht habe… Aber die Entscheidung ist getroffen und ein Zurück gibt es für mich nun nicht mehr.
Tag 96 / Akkajaure - Nordkalottleden
Ein Tag wie er im Bilderbuch stehen könnte! Ich weiß gerade nicht, was ich noch mehr verlangen sollte…
Zuerst durch verwunschene Birkenwälder, welche nach und nach immer lichter und auch mittlerweile schon deutlich herbstlicher werden. Das Laub wird gelb und fällt, die Jahreszeit ändert sich rasch und die Farben des Fjells werden immer diverser. Es fällt mir schwer meinen Blick nur auf den Weg vor mir zu richten. Ich halte immer wieder inne, um die Schönheit dieser Gegend aufzusaugen. Gewaltige Berge umzäunen den Padjelanta und geben langsam dem Blick frei auf die Ausläufer des kommenden Narvik Fjells. Sogar das Wetter zeigt sich von seiner allerbesten Seite. So wird das Laufen heute zum wahren Hochgenuss!
Ich versuche mich auch an einer Abkürzung durch den Fluss Valdajåkhå und habe tatsächlich Glück! Der ist gerade äußerst einfach zu furten und das spart mir knappe 4km Weg drum herum auf dem offiziellen Wanderpfad. Damit verkürzt sich der heutige Weg, da ich nicht plane direkt zu Røysvatn Hytta zu gehen, sondern lieber wieder im wunderschönen Fjell mein Zelt aufschlage. Direkt zur Hütte durch wäre es eine Mordsetappe mit nahezu 35km und in dieser atemberaubenden Gegend will ich mir einfach sehr viel Zeit lassen. Bei bestem Wetter lassen sich auch entspannte Abende am Zeltplatz genießen.
So einer findet sich dann auch schnell und die Aussicht ist einfach mal wieder atemberaubend! Der Fluss plätschert nebenan und ich habe alles für mich alleine. Allgemein treffe ich hier auf dem Nordkalottleden sehr wenige andere Wanderer und es fühlt sich damit wieder mehr an wie Wildnis. Das mag ich!
Klarer Himmel heute Nacht… Also wieder den Blick nach oben richten, sobald sich die Sterne zeigen! Was für ein Spektakel ich dann die Nacht erlebe ist ein Highlight schlechthin… Lady Aurora tanzt am Himmel und mittlerweile sogar in Farben, die mit bloßem Auge leicht zu erkennen sind! Wie könnte ich in so einer Nacht nur an Schlaf denken, niemals! Die halbe Nacht verbringe ich mit dem Bewundern des Spektakels! Ein wundervoller Ort wird damit zur Erinnerung fürs gesamte Leben.
Erneut bin ich so froh, diese unbeschreiblichen Schönheiten dieser Welt entdecken zu können! Das Leben ist so schön und ich bin überglücklich.
Tag 97 / Nordkalottleden - Røysvatn
Der Nordkalottleden zeigt sich heute von seiner etwas launischen Seite… Spärlich markiert, sorgt er immer wieder für kurze Verwirrungszustände und einige Wegführungen machen schlichtweg keinen Sinn. Insbesondere die Stellen, an denen der Weg über einen Fluss führen möchte sind oft völlig fehl platziert. Zumindest meiner Meinung nach und ja, es kann sein das ich im Falle von miserablem Wetter falsch liege. Also nehme ich des Öfteren Abkürzungen, die sich auch glücklicherweise immer als gut erweisen. Auf die Karten und gesetzten Wege zu vertrauen mag manchmal sicherer sein, aber ab und an wird auch eigenes Nachdenken belohnt.
So führt mich der Weg immer tiefer ins steinige Fjell und ich muss sagen, dass ich so langsam echt gefallen an den steinigen Fjells finde. Zu Beginn waren diese noch eher Übel als Recht, da es sehr anstrengend für die Knöchel ist. Jetzt scheinen sich meine Füße an die Belastung gewöhnt zu haben! Und zu meiner absoluten Lieblingsbeschäftigung habe ich das furten erklärt! Den besten Weg über einen nicht so leicht passierbaren Fluss zu finden, macht mir riesigen Spaß. Teilweise ist das wie in Rätselspielen… finde den Weg, der dich trocken ans andere Ufer bringt. So schaffe ich es über die allermeisten Flüsse, ohne meine Wanderschuhe ausziehen zu müssen. Damit spart man sich immer eine Menge Zeit und kostbare Nerven. Ich merke, wie das Thema „Furten“ bei vielen anderen Wanderern oft das pure Grauen auslöst. Die meistgestellte Frage auf den Trails ist immer „muss ich Flüsse furten?“… Nein, du -darfst- Flüsse furten. Die Horrorgeschichten, die es da immer gibt sind meistens nur sehr schlimmen Wetterumständen oder einfach nur der Angst geschuldet. Bisher hatte ich zumindest noch seeehr wenige Furten, welche mir wirklich ein Problem bereitet haben. Genau genommen sogar nur eine einzige am Anfang der Reise, vor der Svartenut… Aber das war auch noch in der Zeit vor dem neuen Frühling und damit mitten in der Schneeschmelze. Mal schauen was da noch so kommt!
Kurz vor meinem Ziel, der Røysvatn Hytta, geht’s wieder kurz zurück nach Norge. Schön gekennzeichnet durch ein professionelles Schild mitten im Nirgendwo… Dann muss ich tatsächlich erstmal suchen. Dadurch, dass der Weg so semi-optimal markiert ist, verfehle ich die Hütte eiskalt und wundere mich wo sie denn bleibt. Obwohl ich aber nur 200m davon entfernt bin! Aber eben unterhalb des Seeplateaus an der sie liegt. Kurzer Blick auf die Karte hilft und schwupp, steh ich vorm Plumpsklo, welches wohl das bestplatzierteste Plumpsklo der Welt ist! Man stelle sich vor mit so einer Aussicht morgens sein Geschäft zu verrichten! Ach warte, das muss ich mir nicht vorstellen, das kann ich morgen selbst probieren!
Highlight heute war der „Wegweiser“… leg dir die Richtung wie du willst, will er mir wohl sagen. Ich glaube den hat n frustrierter Wanderer gesprengt.
Zur heutigen Hütte gibt’s diesmal auch einen kleinen Hüttenrundgang. Schon immer wieder faszinierend, was man da im Fjell findet. Diese Hütte hat im Holzschuppen sogar noch eine kleine Sauna! Wie genial ist das denn?! Der DNT Verband Narvik weiß wohl, dass die Wege hier anstrengend sind, und will uns armen Fjellstreunern was Gutes tun. Danke! Nehme ich äußerst gerne an! Ich verbringe den Abend mit mehreren Saunagängen und anschließenden Eisbädern im Fluss nebenan… tut das gut!
Und noch ein Grund zum Feiern! Die 2000km Marke wurde geknackt! Das wird, erneut, unter den Nordlichtern gefeiert. Egal wie oft ich die zu Gesicht bekomme, immer wieder ist es ein absoluter Wow!! Moment. Diesmal sogar mit schön gemütlich aufgeheizter Hütte.
Tag 98 / Røysvatn - Paurohytta
Es kündigt sich ein stürmischer Tag an. Die starken Südwinde sind wieder am Start. Zwar hat der Wind auf Südost gedreht, was bedeutet das es zunächst etwas weniger regnerisch sein wird (danke dafür!), aber die heftigen Böen im Bergland können einen schon mal kräftig hin und her schütteln.
Hier fällt es mir wieder mal schwer die Hütte zu verlassen, da die Røysvatn mit der Bergsauna einfach ein toller Ort ist, an dem man am liebsten mal ein paar Tage verbringen möchte. Aber der Nordkalottleden ruft und meine Essensrationen erlauben es mir nicht zu trödeln. Es zeigt sich was ich schon vermutet habe. Süd- und Mittelnorwegen haben mir gezeigt, wie es funktioniert und Nordnorwegen ist die Prüfung. Ich muss zugeben, dass es schon ab und an ein mulmiges Gefühl ist mit limitierter Nahrung zu gehen. Auch habe ich das Gefühl, dass ich die meisten Kilos auf dieser Etappe verlieren werden. Müsli mit Nüssen zum Frühstück, ein paar kleine Snacks zwischendurch und eine Tüte Real Turmat zum Abendessen… Mehr ist nicht drin. Das würde das Gewicht nicht zulassen. Somit lerne ich, Essen wieder auf eine ganz grundlegende Art zu schätzen. Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich mir auf dem Weg vorstelle. einen großen Teller Essen vor mir zu haben! Heute ist es der Schnitzeltraum, der mich begleitet. Zwei große Schnitzel mit Bratkartoffeln und Salat dazu. Hauchdünn und kross paniert… Oh Gott würd ich jetzt was dafür geben. Okay, ich muss damit aufhören, sonst geh ich noch Rentiere jagen.
Der Weg bleibt anstrengend und ist gespickt mit vielen Höhenmetern. Meist kommen über 1000hm am Ende des Tages zusammen. Auch die Markierungen bessern sich nur allmählich und die Hälfte des heutigen Weges entscheide ich mich dazu gar nicht erst nach Markierungen Ausschau zu halten… Das spart mir eine Menge Frust. Aber die Ausblicke… unglaublich. Niemand hat gelogen mit der Aussage, dass der Norden der schönste Ort Norwegens ist. Das stimmt! Riesige Berge und farbenfrohe Seen in verschiedensten Blautönen, zusammen mit dem Fjell, dass sich so langsam in Herbstfarben hüllt. Ich liebe es hier!
Vorbei an meinem ersten Grenzstein (auch sehr farbenfroh) wandere ich zur Paurohytta und beende den heutigen Wandertag mit knappen 30km Länge. Kurz vor der Hütte beginnt dann das Rennen! Eine heftige Regenfront zieht unheilvoll über die Berge heran. Die Uhr tickt. Die Hütte bereits in Sichtweite, lege ich so viel Tempo zu wie nur geht. Hauptsache trocken dort ankommen! Und das Stück zieht sich. In letzter Minute und bei schon beginnendem Sturmregen erreiche ich die Paurohytta und werfe mich erstmal flach auf den Boden um wieder zu Atem zu kommen. Was ein Ritt zum Finale des Tages!
Feuer an, Kaffee aufsetzen und das Unwetter von drinnen beobachten! Ein heftiger Tag liegt hinter mir. Die kommenden Tage sollen anstrengend bleiben, aber kürzer. So hoffe ich auf besseres Wetter und bemüh mich, soweit es geht, zu regenerieren.
Tag 99 / Paurohytta – Narvik Fjell
Ich bin ja ein großer Fan von grenzüberschreitenden Erfahrungen, aber wie oft ich heute über Grenzen gegangen bin…
Norwegen, Schweden, Norwegen, Schweden, hin und her! Gibt’s da eigentlich eine Obergrenze wie oft man das am Tag machen darf? Ein Kontingent, bevor man als Möchtegern Schmuggler verhaftet wird? Naja, erwischt hat mich keiner also was soll’s.
Der Weg geht spannend und herausfordernd weiter und beschert mir wieder einige Höhenmeter. Allerdings jetzt wieder deutlich besser markiert und damit weniger Kopfarbeit.
Über die Kletterbrücke drüber (gar nicht so einfach die Leitern mit einem großen Rucksack und Stöcken!) und dann gibt’s eine kurze Rast in der kleinen Nothütte Baugebua, wo ich auf Ryan treffe. Ein junger Brite, der zwischen college und university seine freie Zeit mit was Sinnvollem verbringt… Weitwandern! Er geht den gesamten Nordkalottleden von Nord nach Süd und hat ein verdammt hohes Tempo drauf! Weit über 30 km robbt der Gute jeden Tag runter. Im zarten Alter von 18 Jahren geht halt noch n bissl mehr als mit 34.
Gegen Ende des heutigen Tages zeigt sich Norwegen von seiner Industrie Seite. Ich versteh ja, irgendwo her muss ja der Strom aus Wasserkraft kommen, aber die Betonklötze mitten in der Natur stören schon ordentlich… Das wirkt immer so fehl am Platz…. Aber lieber so als große Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen!
Tag 100 / Narvik Fjell
Und hier haben wir ihn, denn mit Abstand heftigsten Wandertag der ganzen Reise! Ich glaube kaum, dass das, was noch kommt das überbieten kann was ich heute abgezogen habe… nicht nur die vielen Kilometer (33km) oder die vielen Höhenmeter (1300hm), sondern viel mehr der Abschnitt am Ende über reine Steinwüste! Hier braucht man Bänder aus Stahl an den Füßen. Die Landschaft wirkt fast schon bizarr und den Weg muss man sich selbst suchen. Ich bin froh, dass das Wetter es gut mit mir meint, denn bei Regen wäre das hier KEIN Spaß gewesen!
Ansonsten lässt das Narvik Fjell aber keine Wünsche offen! Eine Gegend die weit oben auf der Liste meiner Favoriten in Norwegen landet.
Heute ist Tag 100! Einhundert Tage auf Reise! Es fühlt sich bei weitem nicht so lange an, wenn ich drüber nachdenke… Ich zähle keine Tage oder streiche sie gar ab bis zum Schluss. Selbst nach so langer Zeit, ist das hier noch ein Traum der Wirklichkeit geworden ist! So fühlt es sich also an, sich wirklich einer Reise hinzugeben und sich treiben zu lassen. An keinem einzigen dieser 100 Tage hatte ich das Gefühl, dass dies hier vielleicht doch nicht das Richtige ist… an keinem! Es fühlt sich so gut an, zu wissen, dass ich hier das Richtige für mich und die Erfahrungen in meinem Leben tue. Das ich bei all der notwendigen Vorbereitung und all dem „Steine aus dem Weg räumen“ nie aufgegeben habe. Ich bin kein großer Fan von großen Sprüchen, aber da gibt’s so einen sehr bekannten und ja… Ich lebe gerade meinen Traum.
Tag 101 / Narvik Fjell (Ausgang)
Das Fjell beginnt zu brennen.
Nicht wirklich, aber der Herbst ist angekommen und viele Teile des Fjells beginnen sich in ein sattes Rot zu verfärben… und wie schnell das geht! Bei weiterhin bestem Wetter und Temperaturen, die ich sogar in den Sommer schieben würde. Was habe ich gerade nur für ein Glück!
Auch diese Etappe neigt sich nun rasch dem Ende zu und ich nähere mich schnell Katterat, welches der nächste Ort sein wird an dem ich seit langer Zeit wieder mal ein richtiges Abendessen bekommen werde. Da sich zunehmend auch die Wandersaison hier in Norwegen dem Ende zuneigt, war ich mir lange nicht sicher ob die Fjellstue in Katterat noch offen hat und ob es dort essen gibt, aber ich konnte einen kurzen Moment des Empfang dafür nutzen um mich definitiv dort für eine Nacht einzubuchen. Wieder mal Glück gehabt und ich freu mich nach knapp 13 Tagen Selbstversorgung ausm Rucksack wirklich sehr darauf!
Der Weg geht vorbei an weiterhin spaßigen Brücken (im Ernst, wer denkt sich diese Konstruktionen aus? Gibt’s da n Katalog oder so?), weiten Tälern und der Cunojárvihytta. Die lasse ich allerdings, wie in letzter Zeit die meisten, links liegen. Im Moment ist mir mehr nach Einsamkeit. Versteht mich nicht falsch, ich mag es Menschen zu treffen und tolle Gespräche zu führen, aber hier sind die Begegnungen gerade eher so… Ich weiß nicht… langweilig?! Es sind viele viele Deutsche hier unterwegs, die meistens einen Teil des Nordkalottleden gehen und, tut mir ja echt leid für uns, unser Volk kann echt ziemlich abweisend sein, zumindest die die ich treffe. Und beim besten Willen… eine Begrüßung auf Norwegisch (Hei!) ist doch drin, oder nicht?!
Macht also gerade keinen so großen Spaß und ich merke, wie mir dadurch die Lust vergeht mich mit anderen in eine Hütte zu begeben. Soll aber nicht weiter schlimm sein, da ich sehr gerne alleine bin und mich in meinem Zelt oder einer Minihütte (die werden nicht so oft besetzt) einfach auch sehr wohl fühle.
Tag 102 / Narvik Fjell - Riksgränsen
Wenn Pläne sich ändern!
Da ich recht früh wach war, ging es auch schon zeitig los auf die Strecke von nur 15km zur Katterat Fjellstue und plötzlich steh ich schon um 13 Uhr an meinem Ziel! Ziemlich verlassen, mitten im Nirgendwo, an einem Bahnhof gelegen, stehen ein paar rote Häuser und unter anderen auch die Fjellstue.
Da ich so früh da bin, ist keiner da und ich frage per SMS den Besitzer an ab wann ich den meine Unterkunft beziehen könnte. Allerdings schon mit dem Gefühl, dass ich eigentlich noch so viel Energie übrig hab und gerne weitergehen möchte. Als er mir dann meldet, dass er erst gegen 17.30Uhr an der Fjellstue sein kann, ist es für mich eigentlich klar… so lange will ich nicht rumtrödeln. Der nächste Supermarkt liegt in Riksgränsen und das ist nur noch 13km entfernt und liegt so oder so direkt auf meiner weiteren Route. Ich kläre mit dem Besitzer der Fjellstue ab, dass ich meine Übernachtung stornieren möchte und er ist auch ganz verständnisvoll und das geht klar. Es tut mir zwar wirklich leid für allen Aufwand den ich damit erzeugt habe, aber es passt gerade wirklich nicht. Also geht’s noch weiter und das entlang des Rallarveien, einem Trail entlang der Bahnstrecke. Dieser wurde früherr, als die Strecke der „Ofotenbanen“ gebaut wurde, von den Arbeitern genutzt. Großartige Aussichten gibt’s in die tiefen Schluchten. Etwas Schwindelfreiheit muss aber schon dabei sein.
An der Bjørnfjell stasjon komme ich noch an einem besonderen Platz vorbei. Hier ist der nördliche Start und Endpunkt der Nordlandsruta! Diese kann ich also als Teil meiner Reise abhaken, auch wenn ich ihr nicht immer strickt gefolgt bin. Allerdings war das ja auch nie mein Plan.
In Riksgränsen (übrigens mal wieder Schweden) kommt dann, nach 14 Tagen, der erste Supermarkt! Und verdammt noch mal, warum packen die genau in den die 10m lange Süßigkeiten-Wand rein?? Lösviktsgodis, wie die in Schweden heißen, findet man oft und meist in riesiger Auswahl. Ich als Badner (born and raised!) übersetz es mal als „Schaufelgutsle“. Die Schweden sind halt einfach süß.
Der Markt wird also erst mal geplündert! Der Plan ist mir mein eigenes großes Abendessen zu basteln. Antipasti, Brot, Käse und allem drum und dran (vielleicht auch ein zwei Bierchen).
Da in der Stadt schon alle Hotels zu haben und der Campingplatz mich nicht besonders anmacht, entscheide ich mich für einen super Zeltplatz etwa 1km außerhalb der Stadt. Hier lasse ich es mir, mit viel Essen, gut gehen und feiere das Ende der längsten Etappe meines Norge på langs! Man war das eine Erfahrung! Wunderschön, extrem anstrengend, sehr lehrreich.. alles und noch viel mehr! Ach warte… gewichtsreduzierend habe ich vergessen! Allen die spontan abnehmen wollen, kann ich so eine Wanderung nur bestens empfehlen!
PS: mit dem Besitzer der Katterat Fjellstue ging die Geschichte noch etwas weiter, aber das würde den Rahmen sprengen. Das sind Geschichten für später.
Im Nachhinein betrachtet...
.. war diese Etappe die schönste der gesamten Reise. Nord-Norwegen und insbesondere das Narvikfjell sind so unglaublich schöne Orte, das man dran zweifeln möchte, dass es irgendwo auf der Welt noch schöner sein könnte. Zusammen mit dem Einzug des Herbstes und dem Beginn der Nordlichtsaison, hatte ich während dieser Etappe die schönste Zeit meines Lebens und Glücksgefühle, welche ich zuvor nur selten so intensiv erlebt habe. Müsste ich mir nur einen Ort Ort in Norwegen raussuchen, an welchen ich noch gehen könnte, dann wäre es definitiv das Narvikfjell.
So wie ich es erzählt bekommen und auch in Gesprächen erlebt habe, hatten viele andere Wanderer eine nicht so gute Meinung über den Nordkalottveien. Als Alternative zur Überquerung des Akkajaure Sees mit dem Boot, stellt er durchaus auch eine große Herausforderung dar. Die Wege sind nur spärlich markiert und die Route gleicht mehr einer Achterbahnfahrt über alle Gebirgsketten. Dazu kommt die Einsamkeit. Nicht viele Wanderer verirren sich hierher und es kann gut sein, dass man tagelang keine einzige andere Wandererseele auf den Pfaden trifft. Aber genau das übte für meine eine enorme Anziehungskraft aus. Es gab mir reichlich Zeit, mich voll und ganz auf meine eigenen Gedanken zu konzentrieren und eine Ruhe zu finden, welche ich, mehr als ein Jahr später, so noch nicht wiedergefunden habe.
Was mir aber wirklich schwierig gefallen ist, ist die extreme Proviantrationierung. Während dieser Etappe habe ich soviel Gewicht abgenommen, wie in keiner anderen Etappe. Ich war heilfroh, dass ich zu Beginn nicht schon Probleme mit stark fallendem Gewicht hatte, da dies ja auch immer mit Energiemangel und Erschöpfung verbunden ist. Vor lauter Hunger wirklich dauernd (ich übertreibe nicht) an Essen denken zu müssen, ist eine enorme mentale Herausforderung. Ich war zwar weit entfernt vom Verhungern, aber mein Proviant hat gerade so ausgereicht. Wie es wäre, bei solchen Anstrengungen für einige Tage wirklich gar kein Essen mehr zu haben, will ich mir gar nicht erst vorstellen.
Die gesamte Route auf einen Blick:
Falls Interesse an .gpx Dateien meiner Route besteht, gerne per Kontaktformular melden. Ich helfe gerne weiter 🙂








































































































