Etappe 13 / Kilpisjärvi – Kautokeino

Angekommen in Finnland, erhalte ich Besuch von einem weiteren Wegbegleiter, welcher mir für den Rest der Reise im Nacken sitzen wird. Der neue Winter ist angekommen und so wird mein restlicher Weg zum Nordkap, ab jetzt, zu einem Wettrennen gegen die vierte Jahreszeit. Zunächst noch faszinierend, entwickelt sich der nasse Schnee, zu einer immensen Herausforderung. Insbesondere der Weg aus dem Reisadalen heraus, wird zu einer Bewährungsprobe, welche mich an meine physischen und mentalen Grenzen bringt. Es fühlt sich für mich an, als wenn eine ganz neue Reise beginnt.

Mit Finnland komplettiere ich die skandinavischen Länder, durch welche mich mein Weg gen Norden führt und innerhalb dieser Etappe werde ich zum letzten Mal die Grenze nach Norwegen überschreiten. Allerdings ist ab jetzt auch Kreativität in der Routenplanung gefragt. Durch den neuen Schnee im Fjell sind einige der direkten Wege nach Norden nicht mehr möglich und so kommt alles anders als geplant. Die endlose Finnmark lehrt mich Landschaften mit einem ganz anderen Blick als bisher zu sehen und stellt mich auf eine noch nie dagewesene Probe. 

Die Reisetagebücher jedes Tages:

Tag 115 / Kilpisjärvi – Kuonjarjoki

Und plötzlich ist sie da, die 4. Jahreszeit. So schließt sich der Kreis schon etwas früher als erwartet, oder besser gesagt als erhofft… Der neue Winter ist da.

Schon am Morgen, nach der Verabschiedung von Rouven, welcher sich jetzt wieder auf den Rückweg nach Tromsø macht, sind die Temperaturen ordentlich gefallen und es weht ein eisiger Wind. Je weiter ich mich ins Fjell wage, desto deutlicher wird es, dass der erste Schnee bald fallen wird. Zunächst als kleine Flocken und dann später, auf der Kuonjarjoki Hütte, richtig große Flocken.


Der Umschwung des Wetters kommt nicht unerwartet. Ende September kann das durchaus passieren und es bleibt mir ein etwas mulmiges Gefühl, was das jetzt für meinen weiteren Weg bedeutet. Die nächsten Tage und bis ins Reisadalen hinein, sollte noch alles problemlos weiterlaufen, da die Wege übers finnische Fjell und wieder nach Norwegen hinein größtenteils noch schneefrei sein sollten. Danach, im Reisadalen, werde ich mich aber entscheiden müssen, ob es nochmal, durchs freie Fjell, nach Alta gehen kann oder ob ich mich dem Winter beugen und den „Umweg“ über Kautokeino gehen muss… Das wäre unschön, da der Weg über Kautokeino zusätzliche 2 Tage bedeutet. Auch mental wäre das schwer, da es dorthin wieder ein Stück gen Süden geht… Ändern kann ich nichts am Wetter, also muss ich es nehmen wie es kommt. So werden die nächsten Tage definitiv spannend werden!

Andererseits ist die schneebedeckte Landschaft am nächsten Morgen ein wundervoller Anblick! Zwar weht weiterhin ein eisiger und kräftiger Wind, aber bei doch recht viel Sonne lasse ich meinen Blick für eine lange Zeit über die endlosen Weiten der schneebedeckten Ebenen schweifen… Die Menge des Neuschnees ist noch lange nicht kritisch für die weiteren Wege, also spricht nichts gegen das Weitergehen. Aber es fühlt sich an, als wenn meine Reise jetzt zu etwas komplett Neuem wird…

Die finnischen Hütten, über welche ich mich ehrlich gesagt kein bisschen informiert habe im Vorhinein, haben ein tolles System. Alle 10km gibt es die Möglichkeit in einer Hütte mit Ofen und Gasbrenner gratis zu übernachten! Das gibt mir gerade die Sicherheit, die ich brauche. Zelten bei Schnee und starken Wind… wäre schwierig. Ich lasse mich zwar gerne zu neuen Abenteuern hinreisen, aber das ist etwas, dass ich gerne aus diesem Abendteuer ausklammern möchte. Nicht weil es mir keinen Spaß machen würde, aber ich habe einfach absolut keine Erfahrungen damit und damit wäre es eine Risikosituation, welche ich zu diesem Zeitpunkt der Reise nicht eingehen möchte.

Ich hoffe also auf das Beste und anstatt mir Sorgen zu machen, freue ich mich auf den ersten winterlichen Ausflug durchs finnische Fjell!

Und so schnell lässt der Winter wohl auch nicht mehr seinen Griff locker… Die Nacht war eisig und stürmisch und ich bin froh, dass ich sie nicht irgendwo in meinem Zelt verbracht habe, sondern in der warmen finnischen Hütte. Allein schon der nächtliche Weg nach draußen auf die Toilette hat Überwindung gekostet.

Auch der Wind hält sich weiterhin stürmisch und die ersten paar Kilometer werden zum kleinen Kampf gegen die Elemente. Die Wege sind an manchen Stellen schon schwer zu erkennen. Die Finnen nutzen ein etwas anderes Wegmarkierungssystem als die Norweger. Hier werden keine Steine mehr markiert, sondern kleine Holzpfosten mit orangenen Köpfen entlang der Wege gesetzt. Das funktioniert auch gut, solange bis die Pfosten, alterungsbedingt, ihre Farbe verlieren… Wenn das passiert, geht das große Suchen los. Die meiste Zeit halte ich mich eher an meine Karte und erspare mir die ständige Sucherei nach Markierungen. Das weitläufige und relativ ebene Fjell bietet genug Möglichkeit sich seinen eigenen Weg zu suchen.

Das Fjell in weiß ist schon ein einzigartiger Anblick! Insbesondere an den Stellen, an denen der Wind den Schnee zusammengeblasen hat. Ich hoffe allerdings, dass das Wetter sowas jetzt nicht jede Nacht vorhat, denn auf über 800m taut auch erst mal nichts mehr weg! Die Vorhersage kündigt eisig kaltes Wetter für die ganze nächste Woche an. Erst gegen später, als ich noch mal in tiefere Gegenden absteige, verschwindet der Schnee und das Fjell zeigt sich wieder in seinen gewohnten, spätherbstlichen Farben. Ich treffe heute einige andere Menschen auf den Trails, was wohl daran liegt, dass der Weg zum höchsten Berg Finnlands, dem Halti (ca. 1350m), bis kurz davor der Gleiche ist wie meiner. Der Berg steht direkt an der Grenze zu Norwegen, der Gipfel allerdings schon knapp in Norwegen. Die armen Finnen, jetzt haben sie schon keine wirklich hohen Berge und dann liegt dieser eine Gipfel auch nicht mal im eigenen Land. Die Besteigung dieses Berges ist für die Finnen aber etwas Besonderes und so treffe ich Wanderer, die durchs halbe Land fahren um hier für ein paar Tage wandern zu gehen. Ich kann’s aber verstehen, der höchste Berg des Landes übt immer eine hohe Anziehung aus.

Meinen letzten Abend in Finnland verbringe ich auf der Pitsusjärvi Hütte. Wieder eine kleine, freie Hütte, welche überaus charmant eingerichtet ist! Sie hat genau die richtige Größe (kleiner ist mir lieber als groß) und auf dem Tisch liegen verschiedene kleine Schnitzprojekte von vorherigen Besuchern. Als dann am Abend noch der Wind deutlich nachlässt und auch die Wolken verschwinden, lasse ich mir meinen Kaffee und das Abendessen auf der Terrasse schmecken, genieße die Aussicht und fertige meine eigene kleine Schnitzerei an… Dick eingepackt, aber sehr zufrieden über den heutigen Tag. Die 21km gehören nicht zu den langen Märschen, aber es jagt mich ja auch keiner wieder nach Norwegen zurück.

Wirklich realisiert, dass ich jetzt in Finnland bin, habe ich ehrlich gesagt noch nicht. Die skandinavischen Landesgrenzen zu Fuß zu überschreiten, bedeutet nicht viel Veränderung. Die Landschaften bleiben die gleichen. Die einzige große Veränderung ist diesmal die Sprache, denn Finnisch ist so eine Sache für sich. Die Sprache hat absolut gar nichts mit den deutschen, norwegischen oder schwedischen zu tun und sie zu lernen ist nicht gerade einfach oder intuitiv. So viel Faszination für Sprachen ich auch habe, hier passe ich und bin zuversichtlich, dass mein Englisch mich durchbringt.

Morgen steht dann der wohl letzte Grenzgang der übrigen Reise auf dem Plan und danach bleibe ich, bis zum Schluss, in dem Land das Namensgeber meiner Tour ist.

Der Wind legt sich über Nacht und als ich dann morgens aus der Hütte schaue, zeigt sich ein Anblick, welcher einen traumhaften Tag verspricht! Blauer Himmel, endlos weiter Blick. Allerdings weiterhin eiskalt! Es scheint, als liefert sich der kommende Winter einen erbarmungslosen Kampf mit dem noch nicht gehen wollenden Herbst. Die Schneegrenze liegt nur minimal über der Hütte. Da ich heute über einen Pass gehen muss, welcher auf ca. 900m Höhe liegt, ist klar, dass mich wieder der Schnee begleiten wird. Ich hoffe nur darauf, dass dieser noch nicht so hoch liegt, dass er zum Problem wird!

Lange dauert es nicht und mein Weg führt mich wieder durch Neuschneefelder, welche das größtenteils steinige Fjell bedecken. Der eisige Überzug auf den Steinen sorgt dafür, dass fester Halt nicht immer möglich ist und ich wirklich aufpassen muss, mich nicht auf die Schnauze zu legen. Der Ausblick ist jedoch weiterhin sagenhaft! Ein eisiger Wintermorgen, so wie ich diese liebe. Nun habe ich auch endlich mal die Chance mich mit allen Lagen an Klamotten auszurüsten, die ich habe. Trotz flottem Tempo wird es mir nur warm, wenn ich mich wie eine super Zwiebel anziehe und das bedeutet mindestens 3, wenn nicht sogar 4 Lagen, inkl. Handschuhe. Zum ersten Mal, auf der ganzen Reise, kommen auch die zum Einsatz! Pausen kann ich nur kurz einlegen, da ich schnell auskühle und ein Kaltstart dann besonders schwerfällt. Also spurte ich durch die Ebenen und Pässe und komme nach einiger Zeit auch wieder in niedere Gefilde, in welche sich der Neuschnee noch nicht traut. Welch eine neue Facette dieses Abenteuers! Norwegen hört nie damit auf mich zu überraschen.

Der Plan für heute sieht noch Spannung bzgl. der Wegfindung vor! Der offizielle Wanderweg würde mich, nach der Grenze zu Norwegen, über einen ziemlich langen Bogen hinab ins Reisadalen führen… Da muss es doch eine bessere Lösung geben. Eine á la „der kürzeste Weg ist die Gerade“ vielleicht?! Und den gibt es! Diesmal sogar eine die Sinn machen soll und mir nicht die ganze Kraft raubt. Sowas, wie mein letztes Freifjellabenteuer nach Riksgränsen will ich nicht mehr haben. Danke an Martin für die Erwähnung der Abkürzung zur Nedrefosshytta. Den Weg werde ich gehen und spare mir mindestens 30km Wegstrecke!

So geht es ein allerletztes Mal über eine Grenze zurück nach Norwegen. Auf Wiedersehen Finnland, es war schön mit dir und danke für die Vorstellung des Winters! Ich habe schon 15km auf dem Tacho, als ich an der ersten Hütte in Norwegen, der Somashytta, ankomme. Mir ist klar, dass selbst die Abkürzung eine ordentliche Strecke ist. Allerdings kann ich es nicht genau in km erfassen, da Freifjell immer schwer zu bewerten ist… Also soll ich jetzt weitergehen und es heute bis zur Nedrefosshytta durchziehen? Oder soll ich besser an der Somashytta bleiben und morgen erst weitergehen? Schwierige Entscheidung! Also mache ich es zu einer Bauchentscheidung. Es geht weiter! Während einer kurzen Rast an der Somashytta, setze ich mir wie immer meine paar Checkpoints auf der Karte und dann geht es zunächst entlang einer ATV Strecke und danach über den nahen Fluss direkt hinein ins freie Fjell. Immer Richtung Osten, mitten hinein ins einsame Herz des Reisadalen Nationalparks.

Zu Beginn komme ich noch gut im Fjell voran und die immer mal wiedereinsetzenden Schneeschauer sind kein Problem. Die sind sehr viel weniger schlimm als Regenschauer, da der trockene Schnee an den Klamotten abprallt und mich kein bisschen nass macht. Aber irgendetwas stimmt gerade nicht… Seit heute Morgen habe ich Probleme mit meiner linken Wade. Was zu Beginn nur ein Ziehen war, entwickelt sich seit Beginn des freien Fjells zu einem Schmerz, den ich nicht mehr ignorieren kann. Es fühlt sich an wie ein Fremdkörper, ein Kloß in der Wade, welcher bei jedem Schritt einen Schmerz loslässt… Ich brauche mehrere Pausen, in welchen ich versuche, den Schmerz so gut es geht hinauszudehnen. Allerdings verschafft mir das immer nur kurze Linderung. Was zur Hölle habe ich mir da jetzt, so kurz vorm Finale, eingefangen?! Mein Kopf spinnt sich Möglichkeiten zusammen: Zerrung?! Entzündung?! Muskelfaserriss?! Alles nicht schön, aber ich hoffe auf eine einfache Zerrung ohne schlimme Konsequenzen.

15km durchs freie Fjell sind geschafft, aber der Schmerz wird immer größer… und dann ein Moment der Unachtsamkeit, der nicht hätte sein dürfen. Mein Fuß verhakt sich in einer Wurzel und ich falle vorneüber. Ich liege mit meinem Rucksack am Boden und sehe aus wie eine umgedrehte Schildkröte. Mir ist nix schlimmes passiert, aber in dem Moment treibt es mir die Tränen in die Augen und lautstarke Flüche aus den Mund. Wie kann es nur sein, dass jetzt noch etwas so schief geht! So eine verdammte Sch****!

Nachdem ich mich wieder aufgerafft habe, zwinge ich mich zu einer Pause um einen klaren Kopf zu bekommen um damit eine Entscheidung treffen zu können. Es sind noch mindestens 10 weitere Kilometer bis zur Nedrefosshytta und der Abstieg ins Reisatal wird herausfordernd… Das schaff ich heute nicht… Der Tag neigt sich dem Ende zu, meine Wade schreit Stopp!! und meine Konzentration ist schon lang verloren. Also gut, warum schleppt man ein Zelt mit, wenn man es nicht nutzt? Es wird eine eisige Nacht mit durchgehenden Minusgraden, aber ohne Wind, zumindest wenn ich nicht gerade auf einem Gipfel zelte.

Mit wenigen Kraftreserven erreiche ich ein kleines Tal, in welchem ich mein Zelt aufbaue. Eine Taktik gegen die Schmerzen in der Wade muss her. Was hilft jetzt? Wärme oder Kälte? Nach kurzer Pause fühle ich, ob sich eine Schwellung oder merkliche Hitze in der Wade entwickelt hat. Dem ist aber nicht so, denn es fühlt sich eher (zu) kalt an. Also improvisiere ich, mit Hilfe des Gaskochers und einer leeren Colaflasche, eine „Wärmflasche“ und hoffe, dass die Vermutung „Zerrung wegen Kälte“ richtig ist. Ob es das ist, wird sich erst morgen so richtig zeigen. Zur Sicherheit schmiere ich die Wade noch mit Ibuprofensalbe ein, mache mir mein Abendessen und lege mich mit mulmigem Gefühl schlafen…

Es ist nie vorbei, bevor du nicht im Ziel stehst!

Es scheint, als hätte ich die richtige Entscheidung getroffen! Die ersten, vorsichtigen Dehnungsversuche der Wade zeigen deutlich weniger Schmerzen als gestern und der Bewegungsbereich ist auch wieder größer als gestern… Mir fällt ein Stein vom Herzen! Ich hatte Befürchtungen, dass ich heute Morgen gar nicht mehr laufen könnte, aber glücklicherweise ist dem nicht so. Ich danke mir selbst für den klaren Kopf und meine Entscheidungen des letzten Abends. Manchmal ist stehen bleiben die beste Entscheidung, die man treffen kann.

Auch die eisige Nacht im Zelt verlief ruhig und mit zusätzlicher Daunenjacke auch warm genug… Jetzt weiß ich auch, dass zelten bei Minusgraden klappt. Auch eine neue Erfahrung für mich. Auf was ich allerdings verzichten könnte, sind die gefrorenen Wanderschuhe. Aber auch dafür gibt’s eine kreative Lösung. Cola und Pepsi werden kurzerhand mit Warmwasser befüllt und nennen sich ab jetzt Schuhheizung links und rechts. Funktioniert perfekt! Merke: Nimm immer 2 leere Flaschen mit, man weiß nie, für was man die gebrauchen kann.

Nach dem raschen, gestrigen Abbruch der Tagesetappe, stehen heute nur die restlichen 10km zur Nedrefosshytta auf dem Plan. Weiter will ich nicht gehen, da zum einen die Nedrefoss ein absoluter Knaller sein soll (Lieblingshütte der norwegischen Königin) und zum anderen muss ich meiner Wade soweit Ruhe gönnen, dass nicht gleich wieder die Kacke am Dampfen ist. Klar, ganz weg ist der Schmerz nicht, aber das es deutlich besser ist, reicht mir erstmal. Ich sehe noch letzte Reste des Herbstes in schönen knalligen Rottönen und komme nach kurzer Zeit an den Abstieg ins Tal hinunter. Der Reisedalen Nationalpark erstreckt sich rund ums Reisatal, welches ein gewaltiger Canyon ist! Ich freue mich, das Tal von oben sehen zu können, denn das sehen nicht viele. Anschließend wage ich mich an die 300m ins Tal hinab und muss abschließend sagen… perfekte Abkürzung gezogen! Der Abstieg ist zwar anstrengend und geht fast senkrecht den Berg hinab, ist aber keine halsbrecherische Aktion. Ich gebe aber keine Gewähr für Abstiege bei Regenwetter! Da könnte das alles zur Rutschpartie werden.

Schon um 14Uhr habe ich die Nedrefosshytta erreicht und habe alle Zeit der Welt das „Besondere“ an der Hütte zu testen… Die Sauna! Wie gerufen kommt diese Möglichkeit meine Wade zu therapieren. Zusätzlich zur Sauna noch ein Knaller der Haupthütte. Was ist das bitte für ein Ofen? Jøtul meets Osterinsel? Wenn du alle kleinen Jøtul-Öfen besiegt hast, dann wartet hier der Endgegner auf dich! Krasses Teil! Und wer auch immer sich den „Nasenring“ als Öffnungshebel überlegt hat… DU bist mein persönlicher Held!

Der König der Öfen!

Und wer spaziert gestern Abend nicht noch zu später Stunde in die Hütte? Ronald, mein norwegischer Norge på langs Kollege, den ich einfach nicht los werde! Was für Zufälle das immer sind, dass sich unsere Wege trennen und immer wieder an ungeplanten Orten treffen! Wir beide sind überrascht und freuen uns wie Bolle über das Wiedersehen und entscheiden uns auch gleich den nächsten Tag zusammen weiterzuziehen.

Ein Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen reicht aus um eine der letzten wichtigen Entscheidungen zu treffen… Wie geht’s weiter? Oder besser gefragt wo geht’s weiter? Oben am Rand des Tals liegt Schnee und das bedeutet, dass die Nábár Hochebene und damit der direkte Weg über Alta ans Nordkap für mich gestrichen ist! Das Terrain dort oben und dann auch für die nächsten 3 Tage wäre weglos und allen Wetterbedingungen ausgesetzt. So gerne ich auch dieses letzte freie Fjell mitgenommen hätte, die Vernunft siegt an dieser Stelle. Diese Entscheidung wird sich im Laufe des heutigen Tages und der nächsten Woche als absolut richtig herausstellen.

Zu Beginn ziehen wir bei ekelhaftem Regenwetter durchs Tal, arbeiten uns aber langsam hinauf ins Fjell. Je höher wir kommen, desto übler wird jedoch die Schneesituation. Heftige Winde und nasser Schnee machen das Vorankommen zum Kampf. Pausen sind nicht drin, 20km müssen in einem Mal durchgelaufen werden. Ich bin so froh, dass meine Wade wieder komplett fit ist und auch alles andere an meinem Körper gut mithält! Zwischendurch stapfen wir durch 50cm hohen Schnee und mir wird klar, dass der Winter hier so richtig zugeschlagen hat. Unser Weg aus dem Reisadalen hinaus ist definitiv eine Last Minute Aktion. Mit noch mehr Neuschnee wären wir hier nicht mehr so einfach rausgekommen.

Der Weg hier und heute ist eine der größten Herausforderungen, die ich je hatte! Alternativen gibt es keine, es geht nur vorwärts über das verschneite Fjell bis sich irgendwann einmal das auslaufende Tal öffnet. Mit dem Wissen, dass nach 20km das Schlimmste geschafft ist und das nach 29km eine Hütte kommt, halten wir tapfer durch. Wie der einfache Gedanke an einen warmen Ofen einem am Laufen halten kann… diese Reise lehrt mich mehr als einmal auch das Kleine wertzuschätzen! Wärme ist alles und die gilt es zu schützen.

Ich bin froh das Ronald dabei ist. Alleine wäre das heute ein mentaler Killer gewesen. Zu zweit pushen wir uns gegenseitig und ziehen den Weg, Kilometer für Kilometer, im Schnee durch. Im nächsten Tal angekommen klärt sich die Wetterlage dann zum Glück wieder ein wenig auf und wir haben endlich die Chance wieder Pausen einzulegen… was für ein Tag! Aus naheliegenden Gründen gibt es von dem heftigen Teil keine Bilder, mir wären schlichtweg die Finger abgefroren.

Die kommenden Tage führen mich also über Plan B, Kautokeino. Unschön, da es mich erst ein gutes Stück wieder zurück gen Süden treibt. Es geht aber nicht anders. Der Winter kämpft gegen mich. So sehe ich also doch noch die endlosen Weiten der Finnmark. Aber eins ist sicher, ich finde den machbaren Weg ans Nordkap! Oder besser WIR finden den Weg. Nach dem Tag heute verbindet Ronald und mich mehr als nur eine kurze Bekanntschaft und wir gehen zusammen weiter nach Kautokeino!

Hier kommt die nächste Herausforderung. 40km nach Kautokeino, dem ungeplanten Ende dieser Etappe. Der Weg geht so gut wie nur über endlose Straßen und auch noch gen Südosten… Ich verliere damit also Strecke gegen Norden, zumindest Luftlinie. Andererseits machen die Straßen aber schnelle Fortschritte möglich und zusammen mit meinem norwegischen Wanderfreund klappt das noch mal besser. Da kommt keine Langeweile auf.

Die Finnmark zeigt sich früh morgens vereist und neblig. Aber auch mystisch mit leichten Sonnenstrahlen, wenn sie es denn mal schafft sich durch die Wolken zu kämpfen. Ich muss mich erst noch damit „abfinden“, dass das die Ausblicke der nächsten zwei Wochen sein werden. Es scheint, als hätte der Winter das Leben hier zum Stillstand gebracht. Alles bereitet sich drauf vor in einen langen Winterschlaf zu fallen…

Ich werde die letzten Tage dieser Reise wohl noch sehr ausgiebig dafür nutzen können, meine eigenen Gedanken und Gefühle zu ordnen. Die Weite der Finnmark schafft hoffentlich den Raum dafür. Ich fühle mich noch nicht bereit dazu, dem Ende der Reise entgegenzusehen. Es macht in meinem Kopf gerade einfach keinen Sinn, dass das alles bald zu Ende ist! Kurz verliere ich mich in Gedankengängen einfach auf anderer Strecke weiterzulaufen, wohin auch immer. Das Nordkap macht meine Reise zwar komplett, aber will ich das überhaupt? Brauche ich das überhaupt? Ich verdränge diese Gedankengänge für den Moment und entscheide mich dazu, mich später um mein Gedankenkarusell zu kümmern

Mit dem Wissen, dass in Kautokeino ein Hotel mit Essen, Dusche und Bierchen auf uns wartet, spurten wir die 40km durch und finishen damit meinen bislang längsten Wandertag der Reise, was die Kilometer angeht! Auch zum Schluss hin werden noch Rekorde gebrochen.

Die vorletzte Etappe ist geschafft. Morgen noch ein letzter Ruhetag (das Wetter soll wirklich miserabel sein, aber dann ab dem Tag danach recht beständig okay) und dann kommt das Finale… Der Ansturm ans Nordkap! Es geht dann nur noch gen Norden.

Hier kommt die nächste Herausforderung. 40km nach Kautokeino, dem ungeplanten Ende dieser Etappe. Der Weg geht so gut wie nur über endlose Straßen und auch noch gen Südosten… Ich verliere damit also Strecke gegen Norden, zumindest Luftlinie. Andererseits machen die Straßen aber schnelle Fortschritte möglich und zusammen mit meinem norwegischen Wanderfreund klappt das noch mal besser. Da kommt keine Langeweile auf.

Die Finnmark zeigt sich früh morgens vereist und neblig. Aber auch mystisch mit leichten Sonnenstrahlen, wenn sie es denn mal schafft sich durch die Wolken zu kämpfen. Ich muss mich erst noch damit „abfinden“, dass das die Ausblicke der nächsten zwei Wochen sein werden. Es scheint, als hätte der Winter das Leben hier zum Stillstand gebracht. Alles bereitet sich drauf vor in einen langen Winterschlaf zu fallen…

Ich werde die letzten Tage dieser Reise wohl noch sehr ausgiebig dafür nutzen können, meine eigenen Gedanken und Gefühle zu ordnen. Die Weite der Finnmark schafft hoffentlich den Raum dafür. Ich fühle mich noch nicht bereit dazu, dem Ende der Reise entgegenzusehen. Es macht in meinem Kopf gerade einfach keinen Sinn, dass das alles bald zu Ende ist! Kurz verliere ich mich in Gedankengängen einfach auf anderer Strecke weiterzulaufen, wohin auch immer. Das Nordkap macht meine Reise zwar komplett, aber will ich das überhaupt? Brauche ich das überhaupt? Ich verdränge diese Gedankengänge für den Moment und entscheide mich dazu, mich später um mein Gedankenkarusell zu kümmern

Mit dem Wissen, dass in Kautokeino ein Hotel mit Essen, Dusche und Bierchen auf uns wartet, spurten wir die 40km durch und finishen damit meinen bislang längsten Wandertag der Reise, was die Kilometer angeht! Auch zum Schluss hin werden noch Rekorde gebrochen.

Die vorletzte Etappe ist geschafft. Morgen noch ein letzter Ruhetag (das Wetter soll wirklich miserabel sein, aber dann ab dem Tag danach recht beständig okay) und dann kommt das Finale… Der Ansturm ans Nordkap! Es geht dann nur noch gen Norden.

.. beschäftigt mich die „Flucht“ aus dem Reisadal nach Kautokeino immer noch sehr. Da ich geplant hatte, ein letztes Mal über freies Fjell direkt nach Alta zu gehen, hat mir der Winter einen ziemlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Hätte ich mich aber, auf biegen und brechen, dafür entscheiden den freien Weg trotz der damaligen Schneesituation zu gehen, wäre das in einem Fiasko geendet. Vor dieser Etappe, war meine Routenplanung eher eine Entscheidung zwischen einfacher und schwieriger oder schöner und schneller. Hier war es schlichtweg die Entscheidung zwischen möglich und unmöglich. Ich weiß bis heute nicht, ob ich das alles zu kritisch sehe und ob es nicht doch „halb so schlimm“ gewesen wäre über das Nabar-Fjell zu gehen aber der Weg aus dem Reisadalen hinaus war für mich grenzüberschreitend. Wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, fällt es mir immer schwer, eine Abweichung zuzulassen. Insbesondere so kurz vor dem großen Ziel.

Zum ersten Mal auf meiner Reise hatte ich wirklich Angst. Durchnässte Schuhe, gefühlslose Finger und Wegmarkierungen, welche langsam im Schnee versinken und oft nicht mehr sichtbar waren. Pausen werden unmöglich und vor mir lagen 20km Strecke, welche ich in einem Mal, durch teils kniehohen Schnee zurücklegen musste. Zuvor habe ich mich, durch meine Erfahrungen auf dem bisherigen Weg, unbesiegbar gefühlt. Damals, in diesem Moment, war ich so klein mit Hut. Die Natur ist unzähmbar und daran erinnert sie uns von Zeit zu Zeit. Wenn das der Fall ist, sollten wir zuhören.

Die gesamte Route auf einen Blick:

Falls Interesse an .gpx Dateien meiner Route besteht, gerne per Kontaktformular melden. Ich helfe gerne weiter 🙂

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