Nordkapp, 71° 10' 21''

Etappe 15 / Alta – Nordkapp

Die letzte Etappe meiner Reise. Seit so langer Zeit bin ich nun auf Wanderung und mein großes Ziel ist nun in Reichweite. Ein letztes Mal führt mich mein Weg über endlose Straßen bis hinauf in die letzten, hochnordischen Fjells. Spätestens als mich, bei Olderfjord, die Barentsee begrüßt, weiß ich, dass sich das Ende dieser epischen Reise nähert.

Eine Achterbahn an Gefühlen begleitet mich auf Schritt und Tritt und ich versuche mir irgendwie vorzustellen, wie ich mit den letzten Tagen umgehen soll. Es fällt mir schwer zu verstehen, dass etwas so Großes ein Ende haben wird und ich bald an dem Ort stehen werde, den ich als Ziel auserkoren habe. Lange Zeit habe ich immer wieder Zweifel daran gehabt, ob ich es wirklich bis ganz zum Schluss schaffen werde, aber jetzt ist es sicher. Ich werde bald am Nordkap stehen. Der Ort, welcher für mich das Ende der Welt darstellt.

Mit gemischten Gefühle laufe ich den „Ultramarathon“ über die langen Straßen der E6 und freue mich unendlich, als ich das letzte Mal wieder in das Fjell abbiegen darf. Ein letztes Mal das Zelt aufbauen. Ein letztes Mal in einer der DNT Hütten übernachten. Ein letztes Mal die Route planen… Und vor meinem Ziel begrüßt mich die letzte der großen Herausforderungen dieser Reise, der Nordkapptunnel, welchen ich natürlich auch zu Fuß gehe!

Und dann ist es soweit. Ich stehe am Ziel meiner 133-tägigen Reise. Neben mir thront der große Stahlglobus und ich habe es geschafft!

Norwegen, der Länge nach… In 133 Tagen, über knapp 2800km von Lindesnes bis ans Nordkapp… und das Alles aus eigener Kraft! Das Vermächtnis einer legendären Reise ist geschaffen!

Die Reisetagebücher jedes Tages:

Tag 127 / Alta – Stokkedalen E6

Und plötzlich rückt das Ziel in „greifbare“ Nähe. Die ersten Schilder an der Straße tauchen auf und mein Ziel steht angeschrieben. Nordkapp 211km. Einfach verrückt, so plötzlich das Nordkap mit einer Kilometerangabe zu sehen! Für wohl jeden anderen, hätte das nicht viel Bedeutung, aber für mich ist steht da das Ziel angeschrieben, welchem ich nun seit 127 Tagen entgegenlaufe! Ich muss anhalten und fange auf dem kleinen Seitenstreifen der E6 an zu weinen. Jegliche Versuche, die Situation zu realisieren, scheitern kläglich. Wie in Watte eingehüllt laufe ich weiter entlang dieser endlosen Straße und gebe mich ungefiltert meinen Emotionen hin. Sollen die Autofahrer doch denken, was sie wollen.

Auch wenn es nicht meinem eigenen Tagesrhythmus entspricht, versuche ich nun Tag für Tag zu einem früheren Start zu kommen. Die immer kürzer werdenden Tage werden zu einem weitaus größeren Kampf, als die vielen Kilometer durchzuhalten. Mittlerweile geht die Sonne um 17.40Uhr unter und jeden Tag noch 5min früher. Selbst nach 35km heute könnte ich noch was drauflegen, wenn ich die Zeit für eine weitere längere Pause hätte, aber das ist nun leider nicht mehr drin.

Ich bin allerdings froh, als ich nach einem kompletten Tag entlang der E6, der Hauptstraße gen Nordkap, den kleinen Seitenweg erreichte. Dieser gibt mir endlich die Möglichkeit, nach einem passenden Zeltplatz zu suchen. Es ist schon 17.10Uhr und viel Tageslicht bleibt nicht mehr übrig. Glücklicherweise finde ich auch gleich ein gutes Fleckchen Fjell mit einem kleinen Bach nebenan. Der ist zwar größtenteils zugefroren, aber für das, was ich zum Kochen und trinken brauche reicht es. Die Straße kann ich in kurzer Entfernung noch hören, aber es tut gut mal weg von den dauernd dröhnenden Autos und LKWs zu sein, welche mich den ganzen Tag begleitet haben… Es ist definitiv kein Vergnügen entlang der E6 zu laufen. Viel Verkehr und die dauernde Konzentration machen es mir schwer und leider weiß ich, dass sich der Zustand die nächsten 2 Tage nicht ändern wird. Bis mindestens Skaidi, der Ort an dem sich die E6 aufteilt und der stärkerer befahrene Teil Richtung Hammerfest abbiegt, werde ich mit diesem Zustand leben müssen. Aber ich bin raus aus dem vielen Schnee und das ist mir gerade wichtiger! Die paar Flecken, die hier noch liegen sind nicht der Rede wert.

Stressless im Fjell! Welch besseren Ort könnte es für so einen Luxussessel geben, als mitten in den eisigen Bergen Nord Norwegens?! Hätte der noch eine Sitzheizung und eine Minibar nebenan gehabt, dann hätte ich vermutlich dort mein nächstes Lager aufgeschlagen! Nur zu gern würde ich die Geschichte dahinter kennen… Vermutlich Sami Sperrmüll?! Wie auch immer, der hat für einen großer Lacher aus dem Nichts gesorgt und die kann ich, bei meinem tristen Straßenlaufen, wirklich gebrauchen. Selbstverständlich musste ich mich auch einmal reinsetzen! Gemütlich, nur etwas frisch unterm Hintern.

Der ganze Rest des Tages war sehr eintöniges Straßen laufen. Kilometer für Kilometer auf Asphalt oder dem kleinen Schotterstreifen neben der Straße und am Ende zeigt die Uhr 35km an. Die eine endlos lange Gerade… könnt ihr euch noch an den Anfang der Reise erinnern? Ich glaub der Horror ist zurückgekommen. Der Horror sind auch diejenigen Autofahrer, denen es einfach mal komplett egal ist, dass da jemand an der Seite der Straße steht. Ich bemühe mich wirklich, jedes Mal maximalen Abstand zu Straße zu halten, aber insbesondere in den Kurven mit wenig Weitsicht, ist das verdammt schwierig. Wenn dann jemand an dir vorbeibrettert, dem es egal ist ob du seinen Außenspiegel in die Nieren bekommst, macht das absolut keinen Spaß mehr. Also lange Rede kurzer Sinn… ich kann es absolut und ganz und gar nicht empfehlen der E6 entlangzulaufen. In meinem Fall hier geht es nicht anders, aber wenn man es irgendwie vermeiden kann, tut es!

Das war dann Tag 2 von 3 auf der E6 und ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie froh ich bin, wenn das vorüber ist! Schade, dass so kurz vor dem Ende noch so eine schreckliche Strecke sein muss… Für Morgen hab ich aber einen neuen Ansatz. Der Wecker steht auf 5Uhr und ich laufe los, wenn die Sonne aufgeht… Hauptsache diesem elenden LKW Verkehr etwas entkommen… Hoffe ich zumindest, da ich heute das Gefühl hatte, dass erst so ab 10 Uhr die Party auf der Straße losgeht. Naja, noch morgen nach Olderfjord und dann ist, sofern der Schnee nicht auch da noch n Strich durch meine Rechnung macht, das Straßen kämpfen erst mal vorbei!

Schon vor dem Wecker, welcher auf 5Uhr steht, bin ich wach. Die Nacht war nicht sonderlich erholsam. So langsam fällt es mir schwer im Zelt einzuschlafen. Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf und es werden immer mehr je näher ich an das Ende der Reise komme. Ich lasse gerne immer wieder zufällige Momente Revue passieren, aber mittlerweile sind es einfach zu viele um da noch irgendwie Ordnung reinzubringen. Ein Teil von mir freut sich sehr auf das Ankommen am Nordkap, ein anderer Teil möchte am liebsten noch viel mehr Erinnerungen sammeln. Es ist schwer sich auf einen „Abschied“ vorzubereiten…

Ich kann mir sogar richtig Zeit lassen beim Camp abbauen, da sich die Sonne erst um 6.40Uhr soweit heraus traut, dass ein Loslaufen möglich ist. Zur Sicherheit lege ich für die erste Stunde noch die Stirnlampe an um auch ausreichend auf mich aufmerksam zu machen, falls sich denn ein Autofahrer so früh auf die Straßen traut. Und der Plan geht auf! Die ersten 3 Stunden habe ich die Straße so gut wie für mich alleine. Es tut so gut mal ohne Störung Kilometer machen zu können! Es reicht sogar fast bis Skaidi, dem kleinen Dorf, an dem sich die Straße gabelt und der meiste LKW Verkehr in die andere Richtung geht. Dort gibt’s dann auch gleich noch den letzten Burger vorm Nordkap. Ich bin um 11Uhr dann wohl der erste der sich das Fettigste der Karte bestellt. Egal, Kalorien müssen rein, denn heute steht insgesamt ein Marathon auf dem Plan! 42km werden es sein bis zu meinem Ziel, Olderfjord. Ich kann nur immer wieder betonen was für eine wahnsinnige Veränderung mein Körper und vor allem meine Kondition auf dieser Reise durchmacht. Seit 3 Tagen laufe ich täglich über 30km und jeden Morgen kann es wieder so losgehen als wenn nichts gewesen wäre. Klar merk ich meine Füße und dass die sich auch darauf freuen, wenn es bald mal mehr als einen Tag Pause am Stück gibt, aber sonst funktioniert es gerade, jeden Tag.

Wie immer ziehen sich die letzten 5km endlos hin, aber der erste Blick auf die Barentsee mit dem Ausläufer Porsangerfjord direkt bei Olderfjord ist schon ein magischer Moment! Ein Meer so weit entfernt von allen die ich bisher gesehen habe…

Gerade sind die Rentiere auch stark am „umziehen“. Durch den kommenden Winter bewegen sich die riesigen Herden weiter nach unten, wo sie noch Fressen finden. So kann’s passieren, dass einem plötzlich eine Herde übern Weg läuft. Ab morgen hat das endlose Straßenlaufen auch ein Ende. Es geht endlich wieder über Wanderwege ins Fjell! Nahe am Meer herrscht wieder eher milderes Klima und es scheint so, als wäre der Schnee hier noch nicht wirklich angekommen. Gute und hoffentlich aussreichende Voraussetzungen, um wieder in die Berge zu gehen.

Endlich wieder ins Fjell! Nach den letzten 8km Straße kommt heute endlich die Abbiegung des E1 Wanderwegs ins Fjell hinauf. Ich bin glücklich, dass die Tage der endlosen Straßen endlich gezählt sind! Die letzten 3 Tage waren zwar nicht wirklich schön, aber dennoch ein Teil der ganzen Reise und damit eine weitere Herausforderung, die ich gemeistert habe. Ich sage einfach mal, dass ich damit mein Durchhaltungsvermögen trainiert habe.

Es fühlt sich gut an, wieder sein eigenes Tempo, ohne die ständige Konzentration auf den Verkehr gehen zu können. Und diese Ruhe… wie ich es vermisst habe einfach „nichts“ zu hören. Als Nervenprobe bleibt damit nur noch eins übrig, aber alles zu seiner Zeit.

Das Fjell wartet heute wieder mit weiteren Kuriositäten auf mich! Nach Stressless Sessel kommt Briefkasten im Nirgendwo und, mein absolutes Highlight, der „brandneue“ Fjellrider 3000 dazu. Jetzt zu günstigen Leasingkonditionen zu haben! Naja, die Probefahrt fiel jetzt doch etwas enttäuschend aus, aber ich würde mal behaupten, dass er seinen ganz eigenen „Charme“ hat! So langsam könnte ich echt einen Kalender zusammenstellen mit den Sachen die ich hier entdecke… „Zauber des Fjells, 12 schrottige Schönheiten des Nordens“… Ich überlege es mir!

Ich hatte für heute deutlich mehr Kilometer geplant, aber als ich an der Stohpojohka Hytta ankomme, entscheide ich mich spontan fürs Bleiben. Es ist die letzte Hütte, an der ich vorbeikomme und es wäre doch eine Schande, wenn ich nicht noch eine Nacht drin verbringen würde! Zudem kann ich mein Zelt trocknen. In Olderfjord hatte ich komplett vergessen, dass es patschnass ist von den regnerischen Tagen an der Straße und den windstillen Nächten. Für die letzten 3 Nächte im Zelt hätte ich dann doch lieber keine Tropfsteinhöhle… Zumindest nicht von Anfang an.

Der Abend und die Nacht in der Stohpojohka wird aufregend. Sobald die Dunkelheit hereingezogen ist, höre ich stetige Motorengeräusche aus der Umgebung und wundere mich was da los ist. Nach einiger Zeit des Beobachtens, erkenne ich immer wieder Lichter aus der Entfernung und kann die Geräusche einem ATV zuordnen, welches scheinbar ziellos durchs Fjell zieht. Immer wieder nähern sich die Lichter der Hütte und ich vermute gleich Besuch zu bekommen. Allerdings entfernt es sich danach wieder und scheint beharrlich seine Kreise in der Umgebung zu drehen. Leicht verunsichert beobachte ich das Geschehen eine ganze Zeit lang und frage mich, ob der Fahrer wirklich eine „Aufgabe“ hier hat (eventuell Rentiere), oder ob er einfach nur aus Spaß seine nächtliche Runde dreht. Hauptsächlich hoffe ich aber, dass ich hier nicht gerade seine Lieblingshütte besetze und er was dagegen hat. Sehr unwahrscheinlich, aber dennoch beschäftigt es mich. Das Schauspiel geht noch eine ganze Weile so weiter und erst gegen 2 Uhr nachts ist endlich Ruhe und das ATV zieht ab. Keine Ahnung was genau das war, aber ich hatte mir meinen letzten Aufenthalt in einer Hütte ruhiger vorgestellt.

Vermutlich sind es ab morgen noch 3 Tage bis zum Nordkap. Die ersten 2 davon noch durchs Fjell und der letzte Tag dann auf direktem Weg über die Straße ans Ziel. Ich schlafe bei knisterndem Kaminfeuer ein und wünsche mir sehnlichst ein unvergessliches Finale dieser Reise!

Und wieder schlägt der Winter zu. Über Nacht hat es wieder geschneit. Zwar nicht wirklich viel, aber es reicht um dem Boden in ein neues weißes Kleid zu hüllen. Es scheint mir fast so, als wenn der Winter mich verfolgt und mein Vorsprung immer kleiner wird.

Das ist nicht gerade optimal für den Tag heute, denn es geht noch ein letztes Mal auf ca. 500m hinauf. Die letzten Hügel wollen überquert werden, damit ich meinen Weg zum Nordkapptunnel und damit zur Insel Magerøya, der Nordkappinsel, finden kann. Die ersten 10km laufen bestens, nur bei den steinigen Abschnitten muss ich etwas aufpassen, da die Steine mit der leichten Eisschicht doch sehr rutschig sind. Allerdings habe ich darin mittlerweile die beste Übung und so klappt auch das gut. Als es dann aber vollständig nach oben geht, kommt noch neuer Schnee von oben dazu. Ein Whiteout… Weiß von allen Seiten! Ein Glück, dass der Weg entlang der Rentierzäune geht und ich mich daran orientieren kann. Schritt für Schritt arbeite ich mich durch den Schnee hindurch. Auch wenn es nach viel aussieht, die 10-20cm sind kein Problem, vielmehr eine Erleichterung! Der Schnee ebnet an vielen Stellen den Untergrund und so muss ich weniger über Steine balancieren. Auch die Sümpfe sind halb gefroren und damit leicht zu durchqueren!

Einen Schneemann muss ich keinen bauen, der Schnee von oben verwandelt mich in einen. Merke, n Vollbart ist die perfekte Schneesammelmaschine! Hält aber auch irgendwie warm im Gesicht…  Ich habe, trotz des widrigen Wetters, richtig Spaß heute! Die Anstrengungen sind mittlerweile Nebensache, selbst wieder 38km gehen gut durch. Nach wilden 20km, über die eisigen Höhen, erreiche ich die andere Seite und hier grüßt mich wieder das Meer. Und sogar Muscheln finden sich am Weg! Sowas verbinde ich normalerweise nur mit Urlauben im Süden und die wirklich schönen Muscheln hätte ich hier definitiv nicht erwartet! Welch schöne Überraschung!

Zum Ende des Tages zeigt sie sich dann zum ersten Mal… Magerøya, die Nordkappinsel… Morgen werde ich sie betreten und dann, vermutlich übermorgen, bring ich das Ding nach Hause!

Der bislang eisigste Morgen einer Reise. Als ich das erste Mal aus dem Zelt schau, zeigt sich meine kleine Nische an der Seite des Flusses als klirrend kalte Winterlandschaft. Der Fluss ist zur Hälfte gefroren und mein Zelt liegt unter einer Schicht von Eisblumen. Meine Wanderschuhe sind, über Nacht, leider Opfer der klirrenden Kälte geworden und fühlen sich dadurch eher wie Holzschuhe an. Schon beim ersten Hineinschlupfen beschweren sich meine Füße über die ungewollte Kälte und ich benötige einiges an Warmlaufen, bevor meine Blutzirkulation ausreicht, um auch die Schuhe von innen aufzutauen.

Während der aufgehenden Sonne stapfe ich durch die friedliche Winterlandschaft und setze ein letztes Mal einen Schuh Unterwasser…. Ja, richtig gelesen… enorm unnötige Situation und ich rege mich auch lautstark darüber auf, als ich den einen Stein im seichten Flussbett verfehle und das eiskalte Wasser mir in den einen Schuh rinnt. Na gut, dann halt halb überflutet durch den Nordkaptunnel. Wenn ich jetzt wüsste, dass ich noch viele weitere Tage am Stück und ohne wirkliche Trocknungsmöglichkeit unterwegs bin, dann würde ich mich mehr drum kümmern. So aber stempel ich es einfach als „dumm gelaufen“ ab.

Am Ende der letzten Bergkette des Festlandes sehe ich dann die letzte große Herausforderung, den Eingang des Nordkaptunnels. Dieser verbindet das norwegische Festland mit der Insel Magerøya und durch ihn durch ist die einzige Möglichkeit, das Nordkap zu Fuß zu erreichen. Allein schon der Eingang ist schreckt ab. Um zu vermeiden, dass sich Rentiere in den Tunnel verirren, spielen Lautsprecher hochfrequente Töne ab und das hört sich an wie ein Gruselkabinett. Scheinbar wollen die Norweger damit auch Menschen von abhalten in den Tunnel zu gehen. Funktioniert bei mir aber nicht, denn so kurz vor dem Ziel gebe ich meine Regel „Alles aus eigener Kraft“ absolut sicher nicht auf!

Es folgt der „Tiefpunkt“ meiner Reise. -212m zeigt die Uhr am tiefsten Punkt des Nordkap Tunnels. Für eine Länge von 7km geht’s da ganz schön runter und wieder ganz schön hoch! Schweißtreibend und wenn Autos vorbeirauschen auch nicht gerade angenehm für die Ohren. Ich bin zwar trainiert von den 3 Tagen entlang der E6, aber die Geräuschkulisse hier, setzt noch mal einen drauf. Allerdings muss ich sagen, dass der Weg durch den Tunnel doch recht ungefährlich ist. Neben der Straße gibt es einen kleinen Gehweg und dieser gibt mir mehr Platz als jeder Seitenstreifen entlang der offenen Straßen. Ausgerüstet mit der rot blinkenden „Hirnbirn“ schaffe ich es sicher ans andere Ende und erreiche damit die Insel Magerøya. Mein Zelt stelle ich nicht weit der Straße zum Nordkap auf und versuche damit klarzukommen, dass das jetzt die letzte Nacht im Zelt sein wird.

Stellt den guten Fusel kalt, morgen ist Finale! Ich kann das gar nicht fassen, noch nicht… Deswegen halte ich mich jetzt kurz.

Wenn ihr das nächste Mal von mir hört, ist es geschafft! Das Nordkap und damit das Ziel meiner 133-tägigen Reise ist nur noch 19km entfernt.

Einst hatte ich einen Traum
Und keine Angst ihn zu zerbrechen
In abertausend Scherben zerborsten
Die ich nun alle „Erinnerungen“ taufe

Das Ende einer unglaublichen Reise.

Die Nerven liegen blank, die Emotionen sind wie ein loderndes Feuer tief in mir und plötzlich steh ich vor dem Globus, der jetzt gerade wirklich die Welt für mich bedeutet. Die letzten Stufen und es ist… geschafft! Man gebe mir Zeit zu verstehen, was das war, ist und sein wird. Ein Teil meiner Seele wird wohl immer da oben bleiben…

Und an alle die dieser Reise gefolgt sind, meinen tiefsten Dank! Ihr habt das alles hier noch ein großes Stück wundervoller gemacht! Es fällt mir unendlich schwer hiermit das Ende zu verkünden, aber heute… heute, lasst uns feiern!

Ganz Norwegen, der Länge nach, aus eigener Kraft…

Tusen takk Norge

.. waren die letzten Stufen hinauf zum Globus und die erste Berühung seiner eisigen Streben, der bislang prägendste Moment meines ganzen Lebens. Dieser Moment, in dem man es selbst nicht glauben kann, was man da gerade geschafft hat und vor lauter Stolz und Emotionen nicht klar denken kann, prägt sich unwideruflich ins Gedächtnis ein und wir dort für mein gesamtes Leben bleiben.

Ich habe mich getraut, etwas Großes anzufangen, Risiken einzugehen und mich auf eine Reise ins Unbekannte zu begeben. Ich habe mich getraut, einen Traum zu verwirklichen und erkannt, dass jede Veränderung und jede Wagnis eine wertvolle Chance ist. Und ich wurde belohnt! Ich wurde belohnt mit abertausenden Erinnerungen, unzähligen inspirierenden Begegnungen und Freundschaften, welche noch lange halten werden. 

Ich hatte hierbei nichts zu beweisen. Keiner hat mir die Aufgabe gegeben, durch Norwegen zu laufen. Es war mein eigener, ungetrübter und intrinsischer Wunsch dies zu tun und so ist es auch mein eigener Erfolg geworden.

Bis heute habe ich diesen sehr speziellen Moment der Ankuft am Nordkapp nicht wirklich verstanden. Es ist, nach wie vor noch, eine leicht schwummrige Erinnerung und jedes Mal, wenn ich mich daran zurückerinnere, kommen mir die Tränen. Ich bin so unendlich stolz auf mich selbst und werde das auch mein ganzes weiteres Leben noch sein.

Norge, du warst sehr gut zu mir. Du hast mich an und über meine Grenzen gebracht, mir so viele neue DInge gezeigt und mich immer und immer wieder staunen lassen. Sei es deine Landschaft, deine Menschen, deine Städte oder die beruhigende Einsamkeit deiner Fjelle, ich habe dich für alle Zeit in mein Herz geschlossen. Und ein großer Teil meines Herzens wird für alle Zeit an diesem Ort weilen, an dem die Welt zuende ist und nurnoch das Meer wartet.

ENDE

– 08. Oktober 2024 –

Ankunft am Nordkapp und das Ende der Reise

Die gesamte Route auf einen Blick:

Falls Interesse an .gpx Dateien meiner Route besteht, gerne per Kontaktformular melden. Ich helfe gerne weiter 🙂

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