Die große Reise hat begonnen! Meine erste Etappe besteht größtenteils aus langen Straßen und ist damit eine Zubringeretappe ins erste Fjell, die Setesdal Vesthei. Vielleicht nicht die spannendste Etappe, aber zum Eingewöhnen an den Wanderalltag perfekt. Die tägliche Strecke halte ich zu Beginn bewusst „kurz“ (unter 20 km) um meinen Körper nicht zu Beginn schon zu überfordern. Achtung Spoiler…. klappt nicht ganz.
Die anfängliche Nervosität und Unsicherheit wandelt sich nach und nach in steigendes Selbstvertrauen. Viele Gedanken habe ich mir darüber gemacht, ob ich im Zelt wohl erholsamen Schlaf finden werde, aber nach den ersten paar erfolgreichen Camps stellt sich dieser Zweifel als vollkommen unbegründet heraus… ich schlafe so gut wie schon lange nicht mehr!
Als einziges „Problem“ stellt sich jedoch der Hunger ein… Ich hatte erwartet, dass sich ein unbezähmbarer Wanderhunger einstellt, aber ganz im Gegenteil, ich habe einfach gar keinen Appetit! Ich versuche immer wieder meinen Magen dazu zu überreden etwas aufzunehmen, aber entweder würgt es mich schon beim Anblick von Essen oder es sind nur minimalste Mengen die gehen. Schwierig bei den ganzen Kalorien die ich an einem Tag verbrauche! Alles was halbwegs funktioniert sind Nüsse… damit muss es eben irgendwie gehen und ich vertraue darauf, dass mein Körper schon weiß was er braucht.
Besonders fasziniert bin ich von den ersten Begegnungen und Gesprächen mit den einheimischen Norwegern. Stets gastfreundlich und voller Interesse an meiner Reise! Norwegen macht es mir wirklich nicht schwer das Land zu lieben.
Zeitraum: 29.05.2024 – 05.06.2024
Die Reisetagebücher jedes Tages:
Tag 1 / Lindesnes Fyr - Spangereid
Ich bin auf dem Weg, Nordkapp… ich komme!
Wie geplant fällt der Startschuss am Leuchtturm von Lindesnes am 29.05. Nach einer Privataudienz beim Leuchtturmwärter, zum Eintragen ins offizielle Norge på Langs Buch, gab es noch das obligatorische Foto am Wegweiser und danach… loslaufen… Schritt für Schritt… Ich bin endlich in der Reise die mir schon sooo lange ständig durch den Kopf geht! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Eine Mischung aus Ehrfurcht, Freude und … Wahnsinn?!
So und wer jetzt denkt „da lief ja alles glatt!“… ähmm ja, schon, solange bis der Dauerregen eingesetzt hat und mich für den ganzen Tag nimmer losgelassen hat. Norwegens Wetter will mir wohl direkt zeigen was es so drauf hat!
Aber egal, meine Laune ist unglaublich gut, ich bin glücklich… überglücklich endlich gestartet zu sein. Norwegen der erste Tag war mir ein Fest, gib mir alles was du hast, ich nehme es mit Freude und Optimismus
Ich bin gespannt was die nächsten Tage bringen!
Tag 2 / Spangereid - Lyngdal
Heute heißt es für lange Zeit Abschied nehmen. Nach einem doch sehr emotionalen Abschied von Janine und Alex geht die Reise wohl erst so richtig los. Als mir klar wird, dass wenn ich diesmal durch die Tür gehe, ich für eine sehr lange Zeit meine liebsten Menschen nicht mehr sehen werde, fließen auch bei mir die Tränen…
Aber jetzt gibt’s kein zurück mehr (und Ich will auch keins). Los geht’s, gen Norden! Der Weg führt mich zuerst über Straßen dann über Wege dann über Pfade und dann… frei Schnauze! Die Route geht über Fleseland, vorbei am Trælandsvatnet, Richtung Lyngdal, diesmal bei schönstem Wetter.
Auch wenn der heutige Tag mit 16,6km nicht sonderlich lang war, war doch der weglose Teil am Trælandsvatnet sehr anstrengend . Es gehört schon was dazu darauf zu vertrauen irgendwann wieder auf einem Weg zu stehen während man sich durchs Unterholz schlägt. Aber auch wenn es mich viel Zeit gekostet hat, es lief alles gut und Norwegen überrascht mich weiterhin mit wunderschönen Gegenden!
Auch das erste mal das Zelt hier aufstellen und mein Camp einrichten hat wunderbar geklappt. Klar braucht alles noch etwas Routine, aber dafür hab ich ja noch genug Zeit.
Gerade liege ich im Zelt und alles was ich höre sind die zwitschernden Vögel… ich genieße die Ruhe und bin unendlich dankbar für alle Erlebnisse die ich hatte und die kommen mögen.
Tag 3 / Lyngdal - Kvås
Wenn’s mal länger geht als erwartet. Heute war das Motto „Kilometer machen“. Eigentlich wollte ich in der erster Woche maximal zwischen 15km und 20km am Tag gehen, aber heute haben mich die ganzen Straßen und Schotterpisten in einen Trott versetzt, der am Ende bei 25,5km endete. Mit dafür verantwortlich war vielleicht aber auch die Aussicht auf einen Campingplatz und damit auf eine warme Dusche! Und die hat guuut getan nach so einem Wandertag!
Begonnen hat der Tag aber eher mit einem Tief, da es mir unglaublich schwer fiel ins Laufen reinzukommen. Der Rucksack mit seinen 20kg tut seins auch dazu. Nach 16km war ich kurz vorm Zelt aufschlagen und es gut sein lassen, aber dann hat es irgendwie Klick gemacht und die weiteren Kilometer sind nur so dahin geschmolzen. Manchmal muss man eben die Zähne zusammen beißen, Kopf aus und immer weiter. Angekommen in Kvås habe ich mich dann mit ner Cola und 2 Äpfeln selbst belohnt und dann kam als ich gerade aus der kleinen Butik draußen war noch die Besitzerin hinter mir her und schenkt mir eine Zimtschnecke! Das hat mir den Abend heute nochmal mehr „versüßt“!
Ah und wen es interessiert (ja Papa du bist damit gemeint 😜) hier in Kvås ist der absolute Angel Hotspot!
Tag 4 / Kvås - Birkeland
Ehrlich überrascht bin ich davon wie gut ich in meinem Zelt schlafen kann. Seit der ersten Nacht im Freien hatte ich keine Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen. Klar, bisher war noch keine stürmische Nacht dabei, aber wenn es so schon mal klappt sehe ich den Nächten im Fjell freudig entgegen!
Der heutige Tag war verglichen mit dem davor ein „Spaziergang“ mit 15,4km… aber fast komplett auf Asphalt Straßen… Da kann man zwar gut Kilometer machen aber es ist einfach öde und auch nicht so prickelnd wenn die Autos an einem vorbei fahren (auch wenn die Norweger bisher recht manierlich Auto fahren muss ich sagen)
Warum der Tag heute schon bei 15,5km aufgehört hat? Zum einen will ich meinen Beinen Zeit geben sich langsam an die stetige Belastung zu gewöhnen und zum anderen habe ich zum Schluss einfach einen hervorragenden Zeltplatz gefunden! Zufällig kam dann noch der Besitzer des benachbarten Grundstücks zum Angeln vorbei. Seine Reaktion auf meine Aussage dass ich ans Nordkap wandere… „Ja so Verrückte kommen öfters bei mir vorbei“
PS: Ich hab meinen ersten Fisch hier an Land gezogen! War aber sein Fisch, der war nur zu groß und Kollege hatte keinen Kescher dabei, also hilft man doch gerne aus und wirft sich für den Erfolg ins Wasser!
Tag 5 / Birkeland - Verdal
Wer mich kennt, weiß dass ich für mein Leben gerne Langschläfer bin, aber heute morgen lief das ein bisschen anders ab. Um 6.30Uhr war ich schon wach, aber eher unfreiwillig. Wenn die Sonne schon morgens Vollgas gibt, wird das Zelt mal ganz schnell zur Sauna. Da kann ich auch genauso gut gleich aufstehen, meine Sachen packen und n frühen Start hinlegen! Gesagt, getan ging die Reise für heute erstmal wieder über Straßen weiter. Auf dem Weg raus aus Birkeland war ich dann wohl erstmal eine früh morgendliche Attraktion, da jeder Norweger erstmal wissen wollte was ich denn vor hab. Aber ich steh ja gerne rede und Antwort wenn jemand interessiert ist an der Sache und zudem kann ich dabei noch mein Kindergarten-Norwegisch ausprobieren! Funktioniert zwar eher schlecht als recht aber hey! Übung macht den Meister!
Was meinen Weg angeht, gab es heute eine Planänderung. Anstatt als der Straße nach Skeie zu folgen, habe ich mich für einen Abstecher über Blåka entschieden und der hat sich gelohnt! Manchmal hätte ich fast gesagt ich wär im Hochschwarzwald. und es waren endlich mal wieder Pfade und keine Straßen mit dabei. Danach dann die Entscheidung Skeie ganz auszulassen und direkt über Kvåle Richtung Åseral zu wandern, welches ich morgen dann erreichen sollte. Wird auch Zeit für Einkaufen und einfach mal was warmes und heftig ungesundes futtern! Als Weitwanderer darf man das erst recht!
Leider habe ich seit heute die Mücken an mir dran… brutal warmes Wetter und Windstille. Heißt also früh ins Zelt und wahrscheinlich auch früh aufs Ohr hauen… waren heute gute 22km, ich bin zufrieden wie ich voran komm! Hoffentlich bleibt das so.
Tag 6 / Verdal - Åseral
Es gibt was zu feiern! Die 100km Marke ist geknackt! Genau genommen sogar 119,7km!
Das mag auf die ganze Reise gesehen nicht viel sein, aber für mich ist es eine besondere Marke, denn: Ich bin angekommen!
Nicht an einem bestimmten Punkt, sondern in Norwegen, in dieser gesamten Reise, in diesem Teil meines Lebens den ich wohl niemals mehr vergessen werde ❤️🇳🇴
Ich merke wie ich deutlich selbstbewusster an alles herangehe. Das ich lerne mir selbst, meinen Fähigkeiten und meiner Problemlösungsfähigkeit zu vertrauen, denn letztendlich geht es täglich darum verschiedene Herausforderungen zu bestehen. Mal sind es die Kilometer die schwer fallen, mal die 10 Trilliarden Mücken die mich abends und morgens fressen wollen, mal ist es auch einfach nur das Heimweh. Denn so schön diese Reise auch jeden Tag ist, meine Heimat und meine Liebsten sind immer im Herzen bei mir!
Und an der Stelle will ich auch euch, meiner Familie, einen riesengroßen Dank aussprechen! Eure guten Wünsche und Kommentare tragen mich Extra Kilometer und ich freue mich auf diese Weise diese Reise auch mit euch teilen zu können. Danke! Fühlt euch umarmt, alle!
Morgen Abend werde ich die erste Etappe meiner Reise beenden können und damit kommt Übermorgen auch erstmal ein Ruhetag ohne Laufen zwischenrein. Wird auch Zeit, denn ich muss erstmal die bisherigen Erlebnisse verarbeiten. Es passiert so viel jeden Tag
Tag 7 / Åseral - Ljosland
Etappe 1 ist geschafft!
138,9km liegen hinter mir. Schon ein ganz schönes Stück in einer Woche! Ich lieg hervorragend in meiner zeitlichen Planung der Reise und kann mir morgen einen Ruhetag gönnen.
Die letzten Kilometer dieser Etappe waren mal wieder bestückt mit reinen Straßenkilometern und gegen Ende auch noch mit ordentlichen Regen gepaart… Ich würde es mal Zubringer zum Fjell bezeichnen, denn die nächste Etappe führt mich dann endlich in die ersehnten Berge.
Meinen Ruhetag werde ich in der Ljosland Fjellstove verbringen, zu der es jetzt schon eine besondere Geschichte gibt. Eigentlich ist diese zur Zeit geschlossen, da die Besitzer im Urlaub sind, aaaber nach einem Telefonat mit denen haben sie es mir möglich gemacht doch 2 Nächte dort verbringen zu können! Das lustige daran… das gesamte „Hotel“ gehört jetzt quasi mir, zumindest für die paar Tage, da ich der einzige Gast bin und sonst auch keiner da ist. Kommt in meinen Lebenslauf rein!
Morgen bekomme ich auch noch Besuch. Kristian, ein Norweger der das gleiche Vorhaben wie ich hat, ist derzeit nur 1 Lauftag hinter mir und hat sich für morgen zu einer Runde Kaffeklatsch eingeladen, da er mich dann einholen wird. Sooo jetzt find ich noch schnell raus wie das Hotel hier funktioniert und dann werde ich volle Gastfreundschaft walten lassen! Jaja, so bin ich halt!
Noch ein paar Worte dazu wie es mir derzeit geht. Das Laufen war besonders heute mit dem schweren Rucksack nach dem Einkaufen in Åseral sehr anstrengend. Die zusätzlichen 3 Kilo merkt man! Vielleicht stecken mir aber auch einfach die 7 Tage am Stück wandern in den Beinen, wer weiß, macht man ja ned alle Tage. Ein Ruhetag ist auf jeden Fall notwendig!
Ansonsten hält mein Körper aber gut durch und zeigt keine Anzeichen von Schmerzen, Blasen oder anderen Wehwehchen.
Psychisch geht es mir hervorragend! Ich bin voll bei der Sache und freue mich jeden Tag aufs Neue was kommt und ich glaube das ist einfach das Wichtigste. Das es keine Qual wird, sondern eine Freude bleibt.
Tag 8 / Ruhetag Ljosland
Keine Kilometer, einfach nur Ausruhen, soweit der Plan für heute und daran hab ich mich auch gehalten.
Heute Mittag kam erst noch Kristian vorbei und später dann auch noch Marius und Bengt. Alle 3 Norweger haben den selben großen Plan wie ich und dann saßen wir zu viert zusammen, bei Bier und Karottenkuchen und erzählten munter von unseren bisherigen Erlebnissen und weiteren Plänen. Erfahrungen und Tipps zu Ausrüstung und Route wurde ausgetauscht und es tat echt gut sich stundenlang mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Die Menschen, die ich auf dieser Reise treffe, tragen ein großes Stück dazu bei, dass das alles hier unvergesslich bleibt und ich bin echt positiv überrascht wie einfach man ins Gespräch kommt und Freundschaften schließt. Da Kristian und ich eine sehr ähnliche Route geplant haben, werden wir uns voraussichtlich auch noch des Öfteren treffen, perfekt!
Jetzt stehen noch ein paar Vorbereitungen für morgen auf dem Plan und dann geht’s weiter! Wird auch Zeit, das Laufen fehlt mir schon.
Im Nachhinein betrachtet...
… war diese Etappe der perfekte Einstieg. Ich habe mich größtenteils an meine eigene Streckeneinschränkung (Länge) gehalten und das hat sich ausbezahlt. Keine Blasen an den den Füßen, keine Schmerzen die nicht auf reine Ermüdung zurückzuführen sind. Diese Reise ist kein Rennen, aber als Leistungssportler läuft man immer Gefahr etwas als Rennen anzusehen. Schneller, länger, besser… und genau das is hier der Fehler den ich bei einigen anderen miterleben musste. Dem Körper wird zu schnell zu viel zugemutet und die Schmerzen kommen schneller als gedacht. So kann eine Reise diesen Ausmaßes schnell zu Qual werden. Klar, hätte ich schneller sein können, den ein oder anderen Tag schon jetzt als Puffer rausholen… aber es war nie mein Ziel das alles hier so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. An dieses Ziel musste ich zwar des Öfteren wieder erinnert werden, aber das „sich Zeit lassen“ ist unglaublich wichtig um sowas auch wirklich genießen zu können.
Der zunächst nicht vorhandene Hunger war ein Problem… mein erstes Problem das es zu lößen galt. Im Nachhinein und auch einfach sachlich betrachtet, war es aber eine ganz normale Reaktion meines Körpers. Wie sollte er denn wissen was da alles auf mich zukommt? Die Umstellung hat Zeit gebraucht und die vorhandenen Energiereserven (aka Speckringe) haben locker ausgereicht um mir die Energie zu geben die ich brauchte… auch ohne Bärenhunger zu Beginn.
Viel viel weniger Gedanken hätte ich mir vor der Reise über die Essensversorgung machen müssen. Ich bin jedoch froh, dass ich nicht für jede Etappe ein Vorratspaket vorausgeschickt habe, sonder nur 2 in Summe. Und selbst diese werden sich als nicht notwendig herausstellen. Meiner persönlichen Meinung nach ist es nicht notwendig sich Pakete vorauszuschicken, es schränkt sogar eher ein. In der ersten Hälfte von Norwegen gibt es so viele Möglichkeiten an Supermärkte zu kommen und meine Überzeugung war es immer, dass ich in diesem Land Gast bin und als Gast kann man doch auch mal die ein oder andere Krone vor Ort ausgeben. Zudem konnte ich dadurch immer genau das an Proviant einkaufen, was ich auch wollte. Was bringen mir 10 Packungen Porridge, wenn ich es schon nach einem Tag nicht mehr sehen kann?! Essensversorgung ist ein heikles und überaus gern diskuttiertes Thema beim Weitwandern.
Die gesamte Route auf einen Blick
Falls Interesse an .gpx Dateien meiner Route besteht, gerne per Kontaktformular melden. Ich helfe gerne weiter 🙂
































































Der Beginn einer großen Reise und die Verwirklichung eines Lebenstraums. Wie wenig wusste ich damals, was alles auf mich wartet!