Etappe 8 / Meråker – Røyrvik

Diese Etappe läutet die Halbzeit meiner Reise durch ganz Norwegen ein. Bevor es allerdings so weit ist, führt mich mein Weg durch eines der wohl anstrengendsten und zähesten Gebiete von ganz Norwegen, zumindest für Langstreckenwanderer, dem Herzen von Trøndelag.

Von Meråker ab bis kurz vor Røyrvik, muss ich mich durch Sumpfgebiete kämpfen und werde auch noch regelmäßig von oben nass. Die Wettergötter sind mir nicht wohlgesonnen und damit stecke ich zum ersten Mal in einer längerandauernden Schlechtwetterperiode fest. So sehr wie jetzt, habe ich die Möglichkeit, in einer Hütte mit wärmendem Ofen unterzukommen wohl nie wertgeschätzt. Die Wandertage arten in einen mentalen und physischen Kampf von Tagesziel zu Tagesziel aus und das Ganze wird zu einer wirklichen Probe meines Durchhaltungsvermögens.

Allerdings finde ich auch in diesen entlegegenen und oftmals gefühlt vergessenen Regionen Norwegens besondere Schönheiten. Seien es die ersten reifen Moltebeeren oder die Bekanntschaft mit Menschen, welche sich dafür entschieden haben ihr Leben und ihre Existenz hier aufzubauen und zu bestreiten. Jede Herausforderung beinhaltet auch eine Belohnung. 

Die ersten mehrtägigen Strecken ohne markierte Wanderwege fordern nun meine Fähigkeiten in der freien Navigation durchs Fjell und damit kommt in mir ein neues Gefühl der Freiheit auf. Dieses Abenteuer scheint nun erst so richtig zu beginnen.

Die Reisetagebücher jedes Tages:

Tag 55 / Meråker – Ferslia

Diesmal ohne Ruhetag geht es weiter in die die nächste Etappe und die wird eine der längsten sein. Zum ersten Mal auch mit mehrtägigen Strecken ohne offizielle Wege. Aber bis dahin dauert es noch ein bisschen. Erst mal geht’s über Straßen hinweg wieder in Richtung Niemandsland! Ziel heute: die DNT Hytta Ferslia. Über den Weg gibt es nicht viel zu sagen, es war ein langer Straßenmarsch und das ab der Hälfte im Regen. Was aber nix ausmacht, wenn am Ende des Tages eine Hütte auf dich wartet.

Angekommen an der Hütte dann die Überraschung! Ronald, ein weiterer NPL-Wanderer dem ich schon lange auf den Fersen und immer ca. 1 oder 2 Tage hintendran bin (man erkennt das immer an den Einträgen in den Hüttenbüchern), ist auch auf der Hütte und wir haben endlich mal die Gelegenheit uns kennenzulernen! Wenn’s so weiter läuft krieg ich die diesjährige NPL-Klasse noch ganz durch. Hat mich jedenfalls sehr gefreut und es wird sich zeigen, ob wir nicht noch ein gutes längeres Stück zusammen gehen können.

Heute geht’s mitten durchs nasse Herz des Trøndelags. Wenn ich meine Stimmung heute beschreiben müsste, dann würde ich sagen…. Alles! Von Wut über Verzweiflung bis hin zu lachend durch n Matsch springen wie n Kleinkind. In genau dieser Reihenfolge. Zunächst versuche ich noch jedem Matschloch auszuweichen und die Wege drumherum zu finden, nur um meine Füße so lang wie möglich trocken zu halten. Ein scheinbar guter Plan, jedoch nur von sehr kurzer Wirksamkeit. Nach einiger Zeit geht mir dieses Slalomlaufen so dermaßen auf den Geist, dass es nur noch eine Alternative gibt… mittendurch, egal was kommt. Der kurze Moment, wenn die Füße zum ersten Mal nass werden, ist jedes Mal widerlich, aber es ist einfach sinnlos darauf zu hoffen, dass man in dieser Gegend den ganzen Tag trocken bleibt. Sobald man diese unausweichliche Situation akzeptiert, wird es einfacher. Vielleicht nicht für die Füße, aber definitiv für den Kopf. Grundsätzlich kann ich sagen, dass es nur dann wirklich schwierig wird, wenn sich die Probleme häufen. Regen allein, kein Problem. Mücken allein, kein Problem. Müdigkeit oder Schmerzen allein, auch kein Problem. Aber mehr als 2 Sachen zusammen… Problem! Das geht dann nur eine kurze Zeit lang gut. Auf lange Sicht hin, gilt es also stets die Menge an gleichzeitigen Problemen zu reduzieren. Meine Methode hier, um nicht komplett die Fassung zu verlieren, war eine kindliche Herangehensweise. Fast schon spielerisch beginne ich durch die Matschlöcher zu stapfen und rede mir ein, dass das ja auch irgendwie Spaß macht, sich so richtig einzusauen.

Es ist unglaublich anstrengend mich durch die 30km bis zur Bellingstua zu kämpfen. Ich war zwar mental drauf vorbereitet, dass es hier besonders anstrengend wird, aber als dann noch strömender Dauerregen dazukommt, entwickelt sich die Situation zu einem ganz anderen Level an Herausforderung… Verständlich, dass sich nahezu keine andere Menschenseele, außer wir verrückten Norge på langs Wanderer, hier her traut.
Aber es gab auch schöne Seiten heute! Hier finden sich eine Menge der sogenannten Moltebærer! Die sehen aus wie etwas zu klein geratene, unförmige Brombeeren, wachsen jeweils einzeln und sind knalle orange, wenn sie reif sind. Und die schmecken einfach super! Da muss ich doch einige Pausen zum Naschen einlegen! Jaaa, ich leb jetzt nämlich gesund hier! Vitamine und so! Zwischen den 40 dicken Burgern und den anderen frittierten Sünden von der Tanke.
Mit wenig Lust aber tatsächlich guter Laune erreiche ich gegen 20 Uhr die Bellingstua und wieder gibt es einen geselligen Abend mit Ronald und noch einem norwegischen Vater mit Sohn die zum Angeln hier in der Gegend sind. Spätestens als der uns dann noch 2 Bier ausgibt, sind alle Strapazen des Tages vergessen! Es folgt mal wieder ein Abend voller faszinierenden Geschichten, welche Ronald und mir einen Vorgeschmack auf die „wilden“ Gebiete weiter nördlich machen. Insbesondere das Børgefjell und der, derzeit noch weit entfernte, Øvre Dividalen nasjonalpark sollen wahre Wunderwerke der Natur sein. Wir freuen uns!

Und noch ein Tag durch den Sumpf. Aber man gewöhnt sich halbwegs dran den ganzen Tag unter Wasser zu stehen. Oder nennen wir es einfach Akzeptanz. Immerhin bekommen damit die Füße etwas Kühlung! Immer positiv denken.

Zunächst alleine und später wieder zusammen mit Ronald, geht’s erst Richtung Veresstua. Dort gönnen wir uns ein schnelles Abendessen. Danach entscheiden wir uns aber beide recht schnell dazu, dass wir heute noch ein Stückchen weiter wandern wollen. Unsere Zelte wollen wir dann auf dem nächsten „Berg“ aufstellen. Die Wege hier sind leider nicht sonderlich faszinierend, deshalb fallen meine Berichte über die Landschaft gerade auch etwas kürzer aus. Das wird sich aber bald wieder ändern, denn morgen geht es „into the wild“ und ab dann such ich mir meinen eigenen Weg. Zum einen, weil ich nicht länger als nötig den sumpfigen Pfaden durch die Täler folgen möchte und zu Anderen, weil mich die Abenteuerlust packt! Norwegen hat mir, über die letzten 2 Monate hinweg, ein großes Selbstvertrauen gelehrt und dieses möchte ich nun in freier Erkundung der möglichen Wege unter Beweis stellen. Auch wenn es etwas Überwindung kostet, die offiziellen Wege zu verlassen, ist der Reiz des unbekannten einfach sehr hoch. Wo wenn nicht hier?!

Der Abend wurde dann noch mit einem wunderschönen Sonnenuntergang abgerundet, welcher das ganze Zelt in Feuerrot gehüllt hat. In Sichtreichweite zu meinen Zelt-Nachbar lässt sich der Tag zufrieden beenden. Für manche mag es vielleicht nicht nachvollziehbar sein, warum ich nicht die Strecke des ganzen Tages zusammen mit Ronald wandere. Das liegt nicht daran, dass ich ihn nicht leiden kann. Es ist viel mehr das unterschiedliche Tempo. Wir beide sind schon so lange unterwegs, da hat jeder für sich seine eigene Geschwindigkeit gefunden. Aber genau das liebe ich auch an dieser Reise. Sie gibt mir die Freiheit zu entscheiden wie schnell und wann ich mit wem zusammen wandern möchte.

Nach einer sehr ruhigen Nacht geht es heute zunächst wieder zu zweit weiter! Seit heute sind auch die Wege und die Umgebung wieder viel interessanter! Wir sind im Nationalpark Skjækerfjella / Blåfjella angekommen!

Mit bester Laune wandern wir erst noch über markierte DNT-Wege. Dann aber kommt plötzlich der Punkt, an dem mich meine geplante Route nach rechts, ab vom Weg führt. Die nächsten Tage geht es über eigene Wege durch das Skjækerfjella! Mit dem Ziel so lange wie möglich, so hoch wie möglich zu bleiben, um den Sumpf zu vermeiden. Eine Gefühls-Mischung aus Freude, Nervosität und Neugierde macht sich breit. Ronald geht andere Wege und das heißt, dass wird mein eigenes Abenteuer werden! Zunächst bis nach Gaundalen, ein Hof mitten im Nirgendwo, aber mit Übernachtungsmöglichkeit. Folgend dann weiter bis irgendwann mein nächstes Etappenziel, Røyrvik, auf mich wartet… ein ganz schön langer Weg! Deswegen ist auch mein Rucksack, seit Meråker, prall gefüllt und dementsprechend schwer. Die Zeiten, in denen man alle 2 Tage an einer Burger Tanke vorbeikommt, sind erstmal vorbei. Es geht „into the wild“.

Die ersten Kilometer geht es zunächst weglos hinauf auf die Gipfel des Fjells. Die sind hier zwar nichtmehr so hoch (800-1000hm), aber trotzdem gehen die Höhenmeter nach wie vor in die Beine. Aber die Aussichten und die Landschaft oben, entschädigen wieder mal für alles! Hier ist man wirklich alleine (mal ausgenommen von den Schafen und Rentieren) und die Ruhe, wenn man abends noch im Zelt liegt und den müden Blick über den davorliegenden See schweifen lässt, ist unbeschreiblich schön. Ich scheine auch erstmal noch Glück zu haben, was das Thema Mücken angeht. Durch den immer wieder auffrischenden Wind halten die sich nämlich sehr bedeckt und haben kein großes Interesse an mir. Eine große Erleichterung, denn so lassen sich meine Abende immer sehr gut vor dem Zelt oder allgemein draußen genießen. Das ist mir viel lieber als mich gleich ins Zelt verziehen zu müssen! Ich fühle mich zwar sehr wohl in meinem Zelt, aber wenn ich darüber nachdenke mich jedes Mal sofort darin einschließen zu müssen, wäre das wenig reizend.

Der Weg durchs Fjell ist herausfordernd, aber nicht schlimm oder gar gefährlich. Im Gegenteil sogar, die Sümpfe kann ich mit dieser Abkürzung nämlich erstmal wirklich beiseitelassen. Auch die Wegfindung / Navigation funktioniert super! Ich leg es jedem ans Herz sich mal damit zu beschäftigen, topologische Karten lesen zu lernen. Sich danach dann, auf Grundlage der Karte, seinen Weg suchen zu können ist wirklich spannend und macht riesig Spaß! Irgendwie fühlt es sich für mich gerade so an, als würde ein neues Abenteuer beginnen… Alles davor war wohl Vorbereitung.

Am späten Abend finde ich dann, nach 24km heute, meinen Zeltplatz an einem See. Hingeführt werde ich von einem sehr neugierigen Rentier, welches mich auch den ganzen restlichen Abend nicht mehr wirklich aus dem Blick lässt… faszinierende Tiere!

Bevor ich schlafen gehe, kläre ich noch schnell mit dem Hof in Gaundalen ab, dass für mich eine Unterkunft bereit steht… Telefonieren auf Norwegisch… manchmal führt nix dran vorbei. Ich habe zwar ein Fable für Sprachen, aber ohne norwegisch ernsthaft gelernt zu haben, ist das schon eine Herausforderung. Also keine Ahnung was ich jetzt gebucht hab, aber es scheint geklappt zu haben. Zur Belohnung gibts dann wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang!

Das war eine ganz schön stürmische Nacht! Ich habe zwar nach wie vor absolutes Vertrauen in mein Zelt und spanne es auch grundsätzlich immer zusätzlich ab wenn ich im Fjell bin, aber wenn es dann dauerhaft die ganze Nacht rüttelt, ist nicht so viel  an erholsamen Schlaf zu denken… Also geht es heute, nach dem Frühstück, eben etwas weniger ausgeruht als sonst auf Weiterreise.

Noch eine kleine Info am Rande, da mich darauf schon viele Mitwanderer angesprochen haben. Ich bin süchtig geworden… nach Kvikk Lunsj! Von den 6 kg Essen in meinen Rucksack sind glaub 1,5 kg allein diese göttlichen Schokokeksriegel! Böse Zungen würden jetzt behaupten „das ist doch n KitKat Verschnitt!“. Sagt das bloß nicht in Norwegen! Das wäre dann euer letzter Ausflug gewesen, denn das Volk hier behandelt die Teiler als Kulturerbe. Praktischerweise sind auf deren Verpackung auch gleich die 9 „Fjellvettreglene“ aufgedruckt. Das sind die 9 grundlegenden Regeln zur sicheren Durchführung von Wanderungen, insbesondere wenn man alleine auf Tour geht. Wichtig, und sehr hoch angesehen in Norwegen!

Weiterhin auf eigenen Wegen, geht es durch den Skjækerfjella nasjonalpark und die Route, die ich da durch wähle, hat es ab und an echt in sich! Aber die Entscheidung einfach zwischen den Gipfeln hindurchzugehen und damit den Sumpf zu umgehen war genau richtig! Kein Gipfel dieses Fjells ist so anstrengend wie 6 Stunden dauerhaft durch Moor zu gehe. Das Ziel heute: Gaundalen! Und bis kurz vor Gaundalen ist der Weg auch echt gut zu gehen! 18 von 24km sind quasi sumpffrei! Ich bin sehr zufrieden mit meiner Abkürzung! Die letzten 6km bis zum Hof ziehen sich entlang markanter, alter Telefonleitungsmasten und sorgen, durch den nachgiebigen Sumpfuntergrund, für ordentlich Anstrengung auf die Zielgeraden. Aber dann ist es endlich so weit, Gaundalen ist in Sicht und die zwei Tage wegloses Fjell sind geschafft!
Gaundalen ist ein besonderer Ort. Also eigentlich nur ein Bauernhof mitten im Nirgendwo. Aber die haben einen eigenen Flughafen! Faszinierend, wo die Prioritäten liegen. Ne Spaß beiseite, ich habe größten Respekt vor den Besitzern, welche hier draußen diesen Hof betreiben und auch noch verrückten Wanderern eine Bleibe bieten! Die Geschichte des Hofes ist überaus interessant, wenn auch nicht leicht. Die Besitzerin berichtet über schmerzhafte Familienunglücke in der Vergangenheit und die generelle Schwierigkeit einen Hof an so einer Stelle zu betreiben zu können. Allein für das Geld macht das niemand. Es ist mehr die tiefe Verbundenheit und eventuell auch etwas die Aussichtslosigkeit.

Der Anruf vom Vortrag war aber erfolgreich und ich bekomme meine Hütte für mich alleine und sogar noch eine dazugehörige Sauna! Wer hätte das gedacht! Die wird natürlich ausgiebig genutzt, und zwar auf finnische Art über 100 Grad! Einfach mal alle Anstrengung rausschwitzen… tut das gut! Das war heute dann noch mal eine kleine Unterbrechung in der „Einsamkeit“. Ich möchte es gerade aber auch nicht erzwingen, keinem über den Weg zu laufen. Wenn sich so ne Möglichkeit bietet, wird das eben genutzt.
Momentan fasziniert mich auch einfach der Wechsel an Geschwindigkeit meiner Reise. Ich bin mittlerweile in einer so guten Form, dass selbst nach langen Strecken am Abend noch einiges an Energie übrig bleibt. Darüber hat sich auch die Besitzerin des Gaundalen Hofs gewundert. Mit den Worten „Normalerweise fallen die meisten direkt ins Bett vor lauter Erschöpfung wenn sie hier ankommen!“. Sollte ich mich deswegen jetzt geehrt fühlen?

Ein komplett verregneter Tag heute… Es hat schon in der Nacht angefangen zu regnen und es sollte auch nicht aufhören… bis in die späten Abendstunden hinein. Damit quillt das eh schon durchsiffte Moor zum Wasserschwamm auf und das Laufen wird heute wirklich extrem anstrengend. Bereits nach 2km steht mein rechter Schuh komplett unter Wasser. Ein schönes Gefühl, wenn man weiß, dass die nächste Hütte noch 13km entfernt ist! Ich frag mich hier gerade täglich wie lange es noch dauert bis mir Schwimmhäute wachsen. Ich bin ja echt jemand, der die ganze Sache hier durchweg positiv angeht, aber heute treibt mich nur noch viel Willenskraft und die bloße Sturheit ein Stück weiter. So ehrlich muss ich sein. Spaß sieht anders aus!

Ich belasse es heute dann aber auch bei 13,5km und freue mich über die kleine gemütliche Hütte am Holden-Fjellgård. Dort treffe ich noch auf Jan, einer der wenigen anderen, die gerade in der Gegend unterwegs sind. Da er jedoch nicht im Besitz des Generalschlüssels der DNT Hütten ist, freut er sich sichtlich darüber, dass ich die Hütte schon aufgeschlossen habe. Für ein paar Stunden habe ich so noch gute Gesellschaft und wir heizen zusammen die Hütte bis aufs Maximum auf, denn das geht verdammt schnell mit den Jøtulöfen! Jan geht Norge på langs etappenweise, über mehrere Jahre und setzt so irgendwann die ganze Tour als Puzzle zusammen. Auch eine schöne Idee.

Nachdem Jan sich wieder auf den Weg macht, habe ich die Hütte für den restlichen Abend für mich alleine und verbringe die Zeit mit einem Mix aus, heizen, schreiben und der Beobachtung des nicht enden wollenden Regens aus dem Fenster der mittlerweile als Sauna geltenden Holzhütte. So mitten im Nirgendwo, bei regen- und nebelverhangener Landschaft, ohne Strom und Empfang, fühlt sich alles wirklich sehr urtümlich an. Allerdings fällt es mir, ohne diese ganzen Ablenkungen, merklich einfacher zur Ruhe zu kommen.

Die Nacht war sehr ruhig und entspannend. Recht schnell bin ich nach Einbruch der Dunkelheit in dem kleinen Bett auf dem Dachboden eingeschlafen. Es ist schon ein wirkliches Glück, dass ich die ganze Zeit bisher keinerlei Probleme mit erholsamem Schlaf hatte! Klar, war mal die ein oder andere Nacht mit etwas weniger Schlaf als sonst dabei, aber das war doch selten (und meist war ich dann selbst schuld dran). Ich will mir gar nicht vorstellen, zu was für einer Tortur eine solche Reise werden kann, wenn man jede Nacht mit dem Schlaf ringt.

Trotz des erholsamen Schlafs geht es heute erst recht spät los, gegen 11.30Uhr. Grund dafür ist, dass sich mein Garmin inReach (Satellitenkommunikationsgerät für Tracking und SOS Notrufe in entlegenen Gebieten – quasi meine Lebensversicherung) über Nacht einfach mal den Akku leer gesaugt hat. Wenn man das Teil nicht aktiv ausschaltet, checkt es durchgehend ob neue Nachrichten da sind. Das funktioniert aber nicht, wenn keine freie Sicht auf den Himmel und damit zu den Satelliten vorhanden ist… Wollte also grad losgehen, hatte alles gepackt und dann sehe ich, dass das Ding einfach mal nix mehr macht… na gut, dann halt notgedrungen an die Powerbank ran und noch 2 Zusatzkaffes trinken bevor es dann endlich losgeht. Immer diese Technik! Vermutlich könnte ich dieses Problem mit den richtigen Einstellungen lösen, aber ehrlich gesagt hat es mir bislang noch keinerlei Probleme gemacht und deshalb sehe ich es Einzelfall an.

Die erste Hälfte des heutigen Wegs ist wieder mal Sumpf. Aber mit kurzen Abstechern in Wälder und an Seen entlang. Die gefallen mir echt gut! Wer sich mit Norge på langs auskennt (ich weiß da lesen ein paar „alte Hasen“ mit) wird sich jetzt wahrscheinlich fragen, warum ich nicht über Gjevsjøen gehe. Das ist ein Hof, ähnlich wie Gaundalen, auf dem man übernachten und auch Essen bekommen kann. Der liegt meiner Meinung nach aber ziemlich blöd, wenn man ins Blåfjell möchte. Da ich nicht dort übernachten will, kürze ich meinen Weg ins Blåfjell einfach direkt durch die Pampa ab, darin hab ich ja mittlerweile Übung. Also geht’s nach der Brücke nicht gen Nordost zum Hof, sondern direkt nach Norden, bis ich nach einiger Zeit auch wieder auf den markierten Pfad dort treffe. Dem folge ich dann allerdings auch nicht mehr so lange, da es gleich rechts ab geht… ins Blåfjell, das nächste weglose Abenteuer!

Und pünktlich zum Eingang ins Blåfjell, hat mich auch das Wetter wieder lieb! Die Sonne kommt raus und der frische Wind dazu vertreibt alle Mücken. Ein perfekter Nachmittag! Umso tiefer ich auf eigenen Wegen in das neue Fjell vordringe, desto schöner werden die Rundumsichten! Gipfel um Gipfel wird erklommen und ich genieße die Ruhe und Abgeschiedenheit hier. Das darf ich auch noch mindestens 2 weitere Tage tun. So lange dauert nämlich der Weg zu Fuß durch diesen Nationalpark. Und da das Wetter gut mitspielt, werde ich jeden davon voll genießen. Frei nach dem Motto: Hier gefällt es mir, hier bleib ich!

Ohne Probleme findet sich auch wieder ein toller Zeltplatz zwischen mehreren kleinen Seen und Flussgeplätscher. Gerade noch rechtzeitig wird das Zelt aufgebaut und eingerichtet, denn das Wetter entscheidet sich doch noch mal dazu etwas launischer zu sein! Als ich nach dem ersten Regenschauer dann das Zelt öffne, gibt’s eine Überraschung… ja wo bin ich den hier? Bzw. wo ist alles andere um mir rum hin? Einfach mal voll in der Nebelsuppe gelandet!

Die Nebelsuppe hält sich noch hartnäckig bis in den späten Morgen hinein. Ich mach mir schon etwas Sorgen, da ich wirklich sehr ungern bei dichtem Nebel durchs Fjell gehe. Aber gerade, als ich mich gegen 10Uhr entscheide das Camp abzubauen, kommt der erhoffte Windstoß mit Sonneneinlage und vertreibt die tiefhängenden Wolken… perfekt! Danke!

Heute geht es mitten ins Blåfjell hinein und der Weg dahin ist wundervoll abwechslungsreich! Bislang war es in den meisten Fjellregionen so, dass ab einer gewissen Höhe einfach nichts größeres als n Minibusch mehr wächst und das Laufen nur mehr durch Steigung und Steine erschwert wird. Hier ist das aber anders. Da das Blåfjell zu Beginn auf nur 500-700m Höhe liegt, ist hier noch recht viel Vegetation zu sehen, auch in größerer Form. Was dann ein Feld mannshoher Büsche bedeutet und mich nicht so gerne durchlässt. Ja, aller Anfang ist schwer! Und irgendwie muss ich mich auch immer erst für einen Tag an die neue Gegend gewöhnen in die komme. Da sich hier alles so schnell verändert und ich mittlerweile ja schon nahezu auf halber Höhe zum Nordkap bin, ist es fast täglich so, als wenn man in ein anderes Land reist. Ich muss dann erst wieder lernen auf welchen Untergrund es sich am besten läuft, welche Sümpfe dich bis zu den Knien fressen wollen und welche dich nur anschlotzen… und und und. So fühlt sich Erkundung an, ohne dass es dir jemand beibringt!

Je tiefer ich in das Fjell vordringe, desto höher werden die Ebenen und desto einfacher klappt es auch mit dem Vorankommen. Ich habe mir selbst eine Route über die höchsten Teile des Fjells herausgesucht um so lange wie möglich von Sumpf verschont zu bleiben. So viele Höhenmeter das auch zusätzlich bedeutet, das ist es wert!!! Und die Blicke über die endlosen Weiten… ich habe das Gefühl, dass das hier gerade eine Belohnung ist… für den Kampf in den Sümpfen Trøndelags, den ich nicht aufgegeben habe!

Das Fjell, in dem ich mich gerade befinde, ähnelt dem Filmset eines „Herr der Ringe“ Films! Immer felsiger wird die Gegend und immer schroffer werden die Furchen die sich durch das Fjell ziehen. Diese „kleinen“ Schluchten sind oft der Grund warum mein Weg mal zick zack geht… auf den Karten sind die nur sehr schwer bis gar nicht ersichtlich und da kann es schon mal vorkommen, dass ich plötzlich vor einer 15m Klippe stehe und mir denke… f***. Orientieren kann ich mich aber sehr gut an den höheren Gipfeln, denn die sind meist auch mit einem Steintürmchen besetzt und gelten damit als markanter Wegpunkt und sind sogar manchmal auf den Karten explizit verzeichnet. So lässt sich gut mit der Karte abgleichen, worauf man gerade zuläuft.

Ich merke wie in diesem spannenden Terrain die Zeit und die Kilometer wie im Flug vergehen. Es ist zwar anstrengend, aber keinesfalls mental ermüdend und das ist das Wichtigste. Wenn der Kopf mitspielt und ich Lust auf Fortschritt habe, dann sind größere Entfernungen mittlerweile keine Probleme mehr.

Abgerundet wird der Abend, mal wieder, mit einem wunderschönen Sonnenuntergang… und Windstille… und Mücken!!! Was wollen die hier oben? Die wollte ich doch unten lassen! Naja, sollen sie halt kommen. Ich hatte heute alles, was ich wollte. Ab ins Zelt. Schreiben und schlafen.

Wolkenloser Himmel! Mit der Überraschung wache ich um 7 Uhr auf, als die Sonne schon gnadenlos auf das Zelt brutzelt. Diese schönen Morgenstunden sind schon was Tolles. Vielen Dank liebes Zelt, dass du dich unter der Sonne in eine Sauna verwandelst und mich rauswerfen willst. Ganz klare Diskriminierung von Langschläfern! Es folgt ein langes Frühstück und eine kurze Einheit Routenplanung. Mittlerweile verläuft die Routenplanung aber sehr simpel. Ich setz mir ein paar Checkpoints und zwischen diesen wird nur nach Kompass gegangen. Mit zu vielen Checkpoints habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, da ich mich zu sehr darauf versteife, genau den geplanten Weg gehen zu wollen. So sind es immer weniger geworden und mit der Freiheit, einfach in eine Himmelsrichtung zu gehen, komm ich am besten klar.

Zum Ende des Blåfjells hin, geht es nochmal steinig hoch hinaus. Die Erhebungen im nördlichen Fjell sind schroffer als im Süden. Das sorgt dafür, dass so einige Male der beabsichtigte Weg nicht auf Anhieb klappt. Ein Glück, dass mehrere Wege zum Ziel führen!

Das Ziel dieser Etappe sehe ich dann auch auf dem letzten Gipfel des Fjells… Sandvika zeigt sich am Ende des Sees! Schon etwas befremdlich, wenn man 3 Tage in der Wildnis verbracht hat und dann plötzlich wieder Zivilisation sieht. Weil es aber so schön im Blåfjell war, bleibe ich noch eine Nacht hier oben! Allerdings muss ich zugeben, dass ich freu mich schon auf das Essen von der Tanke freue und Vorräte aufstocken ist auch wieder dringend nötig! Ich brauche Schokolade!! Die ist schon seit 2 Tagen ausgegangen! Hier spricht die Kvikk Lunsj Sucht aus mir.

Wechselhaftes Wetter hier… da schläft man bei schönstem Wetter ein und wird morgens um 4 Uhr mit Sturm und Regen geweckt, sowas aber auch! Ist dann auch „aufregend“ bei so einem Wetter das Camp abzubauen! Normalerweise schmeiß ich jeden Morgen einfach erstmal alles ausm Zelt raus und pack dann außen zusammen. Wenn es aber horizontal schifft, geht das schlecht… Also muss alles im Zelt erledigt werden und das ist in einem 1 Mann Zelt, ohne großes Vorzelt, alles andere als einfach. Danach kann ich mir auch das morgendliche Yoga ersparen. Verbogen hab ich mich definitiv genug! Und trotzdem bin ich patschnass bevor ich überhaupt ans Loslaufen denken kann… fantastisch! Allerdings schaff ich es, bis jetzt, noch alles mit sehr viel Galgenhumor zu nehmen. Grundsätzlich gilt die Regel „solange dir warm ist, ist alles gut“ und das stimmt einfach! Nässe ist nicht das Problem, es nervt nur.

Es folgt der Abstieg aus dem Fjell und 15km nach Sandvika, der nächsten kleinen Stadt und damit auch der nächsten Einkaufsmöglichkeit. Die ist auch bitter nötig, da ich, bis auf mein Reserve Futter, wirklich alles leergemampft habe! Gut geplant, würd ich sagen. Und eine weitere Sache wartet in Sandvika auf mich… ein neues paar Wanderschuhe! Und die sind noch 100x mehr nötig als das Essen! Aus Tromsø zugeschickt, liegt das Paket seit ein paar Tagen im Postschalter (die sind hier in Norwegen immer in Supermärkte integriert) und wartet auf mich. Das funktioniert auch echt prima und es macht keinen Unterschied, ob man jetzt Norweger oder was auch immer ist. Da sind die Norweger echt entspannt und das macht die Logistik einer solchen Reise einfacher. Dass der Tausch der Schuhe dringend notwendig war, sagt glaub das Bild am besten. Endlich keine Schwämme mehr an den Füßen!

Weiter geht es dann über 12km Straße bis nach Kvelia, einem kleinen Dorf in wunderschöner Lage! Eigentlich stand auch Zelten auf dem Plan, aber dann hält an der Straße plötzlich ein Autofahrer an und erzählt mir von einer kleinen Hütte in der Norge på langs Wanderer gratis übernachten dürfen! Was ist das denn für eine Überraschung! Da lass ich mich nicht zwei Mal bitten und ziehe in meine eigene kleine Minihütte mit Holzofen ein.

Die nächsten 2 Tage werden jetzt endlose Straßen folgen. Wohl kein so spannender Abschnitt… aber es geht meinem Mittelpunkt der Reise entgegen und das ist schon ein großer Moment. Ich weiß noch nicht so recht, wie ich mich deswegen fühlen soll. Gerade bin ich mittendrin und ja, es ist jetzt schon irgendwie mein Leben geworden morgens aufzustehen und zu wandern… verrückt, aber ich fühl mich gerade so wohl mit dieser Einfachheit! Ich denke aber gerade viel mehr an das alles, was noch kommt, denn es kommt noch einiges was faszinieren wird.

Nach einer wunderbar ruhigen Nacht in meiner Hütte, startet der Tag mit einer tollen Überraschung! Roland, der Betreiber des kleinen Ladens nebenan, kommt gerade mit dem Auto an, als ich draußen vor der Hütte bei meinem Frühstück sitze und lädt mich auch direkt auf einen Kaffee in den eigentlich noch geschlossenen Laden ein. Bevor sein stressiger Arbeitstag und mein langer Wandertag beginnt haben wir also noch genug Zeit ein wenig zu quatschte. Er war auch derjenige, der mich gestern, aus dem Auto heraus, in die Hütte eingeladen hatte!

Er erzählt mir vom großen Fest in Kvelia, welches immer Mitte August stattfindet. Währenddessen werden über mehrere Tage hinweg Theaterstücke aufgeführt werden. Alle scheinbar mit sehr viel Humor. Während dieser Zeit verhundertfacht sich dann einfach mal die „Einwohner“ Anzahl von Kvelia, welches sonst nur aus ein paar Höfen besteht! Ich denke kurz darüber nach, wie mir wohl zumute gewesen wäre, wenn ich in genau der Zeit hier vorbeigekommen wäre. Das wäre dann doch leicht verwirrend gewesen denke ich. Über eine Stunde hinweg unterhalten wir uns über meine Reise und die anderen Wanderer, die im August fast täglich hier vorbeikommen und einen großen Wanderplan haben. Bevor der Laden dann offiziell um 10 öffnet, schenkt mir Roland noch ein paar seiner selbstgemachten Woll-Einlegesohlen für meine Wanderschuhe. Wieder mal ein großes Beispiel für all die herzenslieben Menschen, die ich auf dieser Reise treffe. Die Sohlen werde ich zwar erstmal nicht brauchen, aber damit bin ich schon jetzt für den kalten Norden gewappnet!

Danach geht es dann aber endlich auf den heutigen Weg und der besteht aus über 20km reiner Straße… Es gibt also nicht viel davon zu berichten, außer dass ich mich mal kurzals Grenzgänger probiert habe. Ein kurzer Abstecher über die schwedische Grenze. Mal schnell bei den Nachbarn reingeschnuppert.

Der Tag endet dann tatsächlich früher als erwartet, als mein Weg mich an einer genialen Gapahuk-Hütte vorbeiführt. Die musste ich mir einfach genauer anschauen! Und als dann das Feuer brannte war die Entscheidung einfach… hier bleib ich! Heute Nacht wird auf Rentierfellen geschlafen, mal so richtig alte Schule Trekking. Der frühe Schluss des heutigen Tages bedeutet zwar, dass es morgen 32km nach Røyrvik sein werden, aber ich habe ja den ganzen Tag Zeit. Die Beine sind in guter Form, also alles bestens. Pläne sind ja zum Ändern da!

Ein kleines bisschen habe ich mich heute Morgen dann doch darüber geärgert, dass ich den Tag gestern früher beendet habe. Deswegen stehen heute ganze 32km auf dem Plan und das auf langweiliger Strecke… Über den Weg gibt es nicht viel zu sagen. Das waren nur Straßen und Schotterwege. Ab und an mit schöner Aussicht auf die nebenan liegenden Seen, aber alles in allem einfach runterlaufen. Hört sich jetzt vielleicht nicht so toll an, aber auch solche Strecken können auf bestimmte Weise „gut“ sein. Sie erlauben einem die Gedanken mal schweifen zu lassen und mal nicht bei jedem Schritt genau aufpassen zu müssen wo genau man hintritt. Also Pflicht für die Füße aber Urlaub für den Kopf.

Gegen 16 Uhr komme ich dann in Røyrvik an und das bedeutet folgendes… Ich habe es geschafft durch halb Norwegen zu Laufen! Hier ist Halbzeit! Nach etwas mehr als zwei Monaten wandern, stehe ich nun in dem Dorf, dass schon während der Planung immer besonderes war. Ein unbeschreibliches Gefühl! Stolz, Freude aber auch etwas Wehmut, da so schnell die Zeit verfliegt… alles zusammen.

Es geht direkt zum Limingen Gjestegård und die Besitzerin, Hilde, begrüßt mich direkt mit Namen und einem großen Lächeln. Was für ein lieber Mensch! Sie übergibt mir auch gleich mein Proviantpaket, welches sie für mich seit Beginn der Reise aufbewahrt hat. Allerdings frag ich mich schon so n bisschen, warum ich hierher was geschickt habe. Es gibt n Supermarkt hier… naja schlimm ist das auch nicht, da kann ich mir das große einkaufen sparen. Der Inhalt des Pakets kommt auch nicht ungelegen, da etwas Heimatgefühl auftritt.

Nach einem tollen Abendessen feiere ich dann auf der Terrasse des Gjestegård, bei lauwarmem Sommerwetter, meinen Erfolg der Halbzeit und versuche noch einmal die bisherigen Highlights Revue passieren zu lassen. Ist gar nicht so einfach, alles geordnet zu bekommen.

Morgen steht ein Ruhetag an, bevor es in Richtung Børgefjell geht, der nächsten wilden Region.

Ruhetage sind irgendwie nie ruhig habe ich gemerkt. Ich mein, ja ich kann halbwegs ausschlafen, aber danach geht immer das wilde waschen, packen, einkaufen usw. los und das braucht dann auch meist den ganzen Tag! Das unterschätzt man gravierend. Aber zwischen all den Pflichten bleibt heute noch Zeit für einen kleinen Ausflug auf dem „Hausberg“. Aussicht auf das kommende Børgefjell inklusive. So eine Wanderung ohne Rucksack aufm Buckel, fühlt sich gerade an, als wenn man den Berg hochschweben würde. Oben angekommen schalte ich mich dann noch per Face Time zum alljährlichen Sommergrillen meiner Familie dazu. Und das tut wirklich gut. Mal wieder fast alle auf einem Haufen zu sehen. Auch wenn man als „Landstreicher“ bezeichnet wird… ich hab euch alle lieb!

Für morgen habe ich dann noch eine kleine Überraschung klar gemacht. Ich werde wohl mal etwas „anderes“ ausprobieren. Ich hoffe das klappt! Lasst euch überraschen!

… bin ich froh, dass ich vor dieser Etappe zwar von den groben Herausforderungen des Trøndelag bescheid wusste, ich mich aber nicht bis ins letzte Detail damit beschäftigt habe. Während der Planung dachte ich immer „wenn du Røros erreicht hast und bis dahin nicht kompletter Kernschrott bist, dann kann dich nichts mehr aufhalten“. Jetzt weiß ich, dass das eine absolut naive Einstellung gegenüber dem weiteren Weg war. Allein dadurch, dass man schon einen langen Weg gegangen ist, sollte man niemals den „restlichen“ Weg als problemlos ansehen. 

Wirklich jede Gegend und seine Landschaften haben hier in Norwegen ihre eigenen Herausforderungen. Das sorgt für Abwechslung, aber auch für den stetigen Bedarf an Anpassungsfähigkeit. In jeder Etappe lerne ich etwas Neues hinzu. Manchmal sind es Lehren über mich selbst, meine Einstellung und die notwenige Anpassung dieser. Manch anderes Mal lehrt mich Norwegen auch einfach Zuversicht und Vertrauen, indem es mir zeigt, dass selbst schwierige Situationen machbar sind, wenn man nur durchhält und auch mal über seine eigenen (gefühlten) Grenzen geht. Momentane Probleme sind meistens keine „Showstopper“ und solange sie nicht in Masse und insbesondere alle gleichzeitig kommen, kann man, wenn man es schafft einen kühlen Kopf zu bewahren, damit umgehen. Aber man muss es wirklich wollen. Norge på langs läuft sich nicht komplett mit der Einstellung, dass es eine stets vergnügte Tour wird. Ohne den notwendigen „Biss“ und die ehrliche Absicht es wirklich bis zum Nordkapp schaffen zu wollen, wäre ich weder soweit wie jetzt, noch bis ans Ende gekommen.

Natürlich hängt der Erfolg auch von äußeren Einflüssen wie zum Beispiel das Wetter oder die Mückenbelastung ab. Dies kann man nicht vorhersehen und man muss versuchen es zu nehmen wie es kommt. Was das angeht bin ich immer noch der Meinung, dass ich Glück hatte und die Schlechtwetter-perioden zwar immer mal wieder da waren, aber es nie überhand genommen hat. Dafür bin ich ewig dankbar!

Die gesamte Route auf einen Blick:

Falls Interesse an .gpx Dateien meiner Route besteht, gerne per Kontaktformular melden. Ich helfe gerne weiter 🙂

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